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aus: BLJA Mitteilungsblatt 2/2006
Reichweiten von Print-Jugendmedien


Jugendschutz-Regelungen im Bereich der Medien haben in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Hoch eingeschätzt werden nach einer ZDF-Umfrage dabei auch die Printmedien (ZDF 2004).
Das Landesjugendamt sondierte in dem Zeitraum 2004 und 2005 die Reichweiten von Print-Jugendmedien, auch um festzustellen, welche Bedeutung der Kontrolle dieser Printmedien zukommt.  

Medien und Medieninstitute, die die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen untersuchen und darüber berichten, betrachten Kinder- und Jugendmedien meist unter dem Gesichtspunkt von Vermarktung und Auflagenstärke. Zu den Motiven der Minderjährigen sowie zu Wirkmechanismen sind die eruierbaren Untersuchungen dagegen nicht ergiebig. Auch der jeweilige Zeitaufwand für den Konsum der einzelnen Medienformen und Inhalte scheint in der vorliegenden Sekundärliteratur nicht auf. Gleiches gilt für die spezielle Frage nach Leseintensität im Vergleich von Internet und Printpublikationen.
Die Schwerpunkte der Jugendmedienforschung liegen derzeit beinahe ausschließlich im Computer- und Internetbereich; auch die Ausstattung mit Hardware (Handy, Konsolen, Computer, MP3-Player, etc.) wird stark beforscht.  

Kommerzielle Jugendzeitschriften

Die Gesamtauflage dieser Sparte lag im Jahr 2002 bei ca. 6 Mio. Exemplaren.
Davon hatten folgende Jugendzeitschriften eine Auflage von ca. 200 000 oder mehr Exemplaren: Bravo, Bravo-Girl, Bravo-Screenfun, Bravo-Sports, Mädchen, Popcorn, Yam, GZSZ, Sugar, 16, Hit fun, Brigitte Jung Miss, Tina, Laura (2002).
Eine Auflagenhöhe bis zu 100 000 verzeichneten die Zeitschriften Bussi-Bär, Maxi, Goldbärchi, Lissy, Musikexpress, Hammer, Miss Beauty, Power Wrestling, Kuschel-Rock, Marie Claire, Stafette (2002).  

Seit dem Jahr 2002 hat die Sparte nennenswerte Verluste zu verzeichnen. So lag die Gesamtauflage der kommerziellen Jugendzeitschriften im Jahr 2004 um 10 — 20 % unter denen des Jahres 2002. Lediglich Publikationen aus dem Computer- und Spielebereich konnten ihre Auflagen halten. Der Bruttoumsatz der Jugendzeitschriften belegte im Jahr 2004 mit 15,7 Mio. Euro Platz 14 des gesamten Zeitschriftensektors. Dies entspricht einem Rückgang von 12,3 % gegenüber dem Vorjahr. Keine andere Zeitschriftengattung hatte derart starke Einbußen hinzunehmen (IVW-Studie 1/2004).  

Nach wie vor ist "Bravo" der Marktführer. Wie die Mehrzahl der Kinder- und Jugendmedien hat auch Bravo erhebliche Auflagenverluste zu verzeichnen (1991: 1,5 Mio.; 2002: 800 000; 2004: 570 000).
Die Auflage der Zeitschrift "Yam" sank von 328 000 im Jahr 2003 auf 250 000 im Jahr 2004. Auch die Zeitschrift "Popcorn" musste einen Auflagenrückgang von 373 000 im Jahr 2003 auf 323 000 im Jahr 2004 hinnehmen. "Mädchen" und "Sugar" hatten Verluste in geringerem Umfang zu verzeichnen (Spiegel 44/04).  

Die Gründe für den Rückgang liegen einerseits im allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang. So haben nachhaltige Einbrüche im Anzeigenmarkt den kommerziellen Jugendzeitschriften ebenso zugesetzt wie dem gesamten Medienbereich.
Andererseits fand eine Interessen-Segmentierung beziehungsweise eine Interessen-Verschiebung statt. Die von der Bauer-Verlags-Gruppe veranlasste Kids-Verbraucheranalyse 2003 eruiert die "Top Ten" der Kinder- und Jugendtitel für die Lesergruppe der 13- bis 19-Jährigen. Hier fällt auf, dass 3 von 10 Titeln Fachpublikationen aus dem Computerthemenbereich sind. Bei männlichen Jugendlichen (13 - 19 Jahre) dominieren "Computerbild" und "Computerbild-Spiele" noch vor der Zeitschrift "Bravo". Wichtig sind hier auch "Bravo Screenfun", "PC-Welt" und "Bravo Sport".  

Nichtkommerzielle Jugendzeitschriften

Die nichtkommerziellen Jugendzeitschriften (z.B. Schülerzeitungen, Fanzines, Verbandspublikationen) haben nach groben Schätzungen eine Auflage von ca. 20 Mio. Da viele von ihnen nicht statistisch erfasst sind, kann über ihre tatsächliche Auflage und Nutzung keine Aussage getroffen werden.  

Jugendbücher

Bücher lesen ist unter Jugendlichen noch immer eine positiv besetzte Freizeitbeschäftigung. Intensiv gelesen wird vor allem im Alter von 10 bis 14 Jahren. Jugendliche lesen seltener, je tiefer sie in der Pubertät stecken. Mit 15 Jahren nimmt die Lesebereitschaft stark ab und erreicht das Minimum bei 19/20 Jahren. Junge Leser von Büchern bekommen diese überwiegend geschenkt oder leihen sie in Bibliotheken aus.
Das Leseverhalten unterscheidet sich je nach besuchtem Schulzweig, nach Alter und Geschlecht. So lesen Mädchen eher General-Interest-Titel, während Jungen verstärkt auf (meist technikorientierte) Special-Interest-Titel zugreifen.
Auch im Bereich der Jugendbücher wird ein Rückgang verzeichnet. So thematisiert der Buchhandel den "zahlenmäßigen Rückgang" (meint: Bevölkerungsanteil von Minderjährigen) des Käuferklientels, sieht jedoch auch die erhebliche Kaufkraft der Zielgruppe: 20,43 Mio. Euro bei den 6- bis 19-Jährigen (Teenager-Käufernachwuchs im Buchhandel, Jugendstudie 2003 des Börsenvereins).  

Das Internet verdrängt die Printmedien.

Das Internet stellt ein wesentliches Konkurrenzmedium im Wettbewerb um die zeitlichen Ressourcen der Jugendlichen dar und verdrängt zunehmend die Printmedien.
Jugendliche nutzen zur Informationsbeschaffung vor allem digitale Medien. Selbst bei ausführlichen Texten ist der Trend zur Textrezeption am Computerbildschirm zu beobachten. Zu diesem Schluss kommt die Studie "Timesscout" des Jugendmarktforschungs-Unternehmens Tfactory. Im Rahmen dieser Studie wurden im Dezember 2003 deutschlandweit 900 Meinungsführer befragt. Die Studie ist repräsentativ für das Segment der 11- bis 29-Jährigen.
Diese Ergebnisse belegt auch eine Kurzmitteilung in der Zeitschrift Merz 4/04: "Es zeichnet sich ab, dass die Lesebereitschaft im Bereich der Printpublikationen schwindet. Sie scheint im (schwerlich messbaren) Bereich der Bildschirmnutzung im Hinblick auf die Leseintensität aber durchaus ausgeprägt."  

Resultate und Konsequenzen für den Jugendschutz: (kommerzielle Zeitschriften)

  1. Die kommerzielle Jugendzeitschrift hat derzeit bei über 5 Mio. Gesamtauflage nach wie vor als zeitgemäßes Medium zu gelten, auch wenn die Auflagenzahlen im mehrjährigen Verlauf abgenommen haben.
  2. Die jugendliche Kaufpräferenz tendiert zu mehr Sparteninteressen (Computer/-Internet/Mode/Lifestile) und differenziert sich vermehrt nach Alterssegmenten.
  3. Es erscheint sinnvoll und notwendig, die kommerziellen Jugendzeitschriften weiterhin unter Jugendschutzaspekten zur Kenntnis zu nehmen.
  4. Zunehmende Bedeutung erhält das gesamte Online-Angebot und darin auch die Online-Jugendpresse.  

Literatur:

  • Kids Verbraucheranalyse (KVA), Untersuchung 2003, (Egmond Ehapa, Bauer-Gruppe, Springer-Verlag)
  • Studie "Timesscout", 2003, TFactory, (www.pressetext.de)
  • Bravo, Sex und Zärtlichkeit, Hrsg.: Knoll, Joachim; Monsen-Engberding, Elke, ForumVerlag Godesberg GmbH, Mönchengladbach 2000
  • Barthelmes, Jürgen: Funktionen von Medien im Prozess des Heranwachsens: Ergebnisse einer Längsschnittuntersuchung bei 13- bis 20-Jährigen, in: Media Perspektiven 2001, Nr. 2
  • Feierabend, Sabine; Klingler,Walter: Jugend, Information, Multimedia (2000): Aktuelle Ergebnisse der JIM-Studie zum Medienumgang Zwölf- bis 19-Jähriger, in: Media-Perspektiven 2000, Nr. 11
  • Feierabend, Sabine; Klingler, Walter: Medien- und Themeninteressen Jugendlicher: Ergebnisse der JIM-Studie 2001 zum Medienumgang Zwölf- bis 19-Jähriger, in: Media Perspektiven 2002, Nr. 1
  • Vogel, Andreas: Publikumszeitschriften: Dominanz der Großverlage gestiegen: Daten zum Markt und zur Konzentration der Publikumspresse in Deutschland im 1. Quartal 2002, in: Media Perspektiven 2002, Nr. 9
  • Gollnick, Ines: Eine Generation im Hochglanzformat, in: Das Parlament, 2003, Nr. 43
  • Kochhan, Christoph: Die Clique gibt den Ton; in: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels 2003, Nr. 9
  • Schulz, Thomas: Anschluss verpasst, in: Der Spiegel 2004, Nr. 44
  • ZDF - Umfrage zum Jugendmedienschutz 2004; in: BPjM - Aktuell, 2005, Nr. 2  

Luitpold Will

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