Hilfen zur Erziehung
Sozialpädagogische Familienhilfe
Kurzinformation
Gesetzestext:
§ 31 SGB VIII - Sozialpädagogische Familienhilfe
"Sozialpädagogische Familienhilfe soll durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie."
Sozialpädagogische Familienhilfe, seit den 70er-Jahren Zug um Zug entwickelt und inzwischen fest etabliert, ist eine recht intensive Form ambulanter Hilfe zur Erziehung. Sie unterscheidet sich von anderen Hilfearten darin, dass sie in der Familie selbst und meist über längere Zeit erbracht wird.
Die sozialpädagogische Fachkraft sucht die Familie in ihrer häuslichen Umgebung auf und versucht Schritt für Schritt in enger Zusammenarbeit mit ihr, Probleme in der Kindererziehung, der alltäglichen Lebensbewältigung, im Umgang mit Ämtern oder misslingende innerfamiliäre Beziehungen aufzuarbeiten und zu modifizieren. Dabei kommt dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe, der Mobilisierung von Ressourcen und Schutzfaktoren innerhalb der Familie und im sozialen Nahraum besondere Bedeutung zu.
Als Grundlage für die Ausgestaltung der Hilfe wird von den Fachkräften zusammen mit den Personensorgeberechtigten und dem Kind oder Jugendlichen ein Hilfeplan aufgestellt. Er enthält Feststellungen über die notwendigen Leistungen im Einzelnen und erlaubt die regelmäßige gemeinsame Überprüfung des Fortgangs der Hilfe im Hinblick auf die vereinbarten konkreten Zielsetzungen.
An der Aufstellung und Fortschreibung des Hilfeplans werden die sozialpädagogischen Familienhelferinnen und -helfer beteiligt (§ 36 SGB VIII). Für die Entscheidung über die Hilfe sind die örtlichen Jugendämter zuständig.
Aufgaben des Landesjugendamts
Seit Mitte der 80er-Jahre hat sich das Landesjugendamt in der Konzeptentwicklung, Modellerprobung und im flächendeckenden Aufbau dieser Hilfeart in Bayern engagiert.
Die Projektförderung des Sozialministeriums und die berufsbegleitende Fortbildung für sozialpädagogische Familienhelfer wurden fachlich begleitet.
In insgesamt neun Arbeitstagungen wurden die konzeptionellen und praktisch-methodischen Fragestellungen grundlegend bearbeitet.
Am Forschungsprojekt des Deutschen Jugendinstituts über Sozialpädagogische Familienhilfe in Bayern war das Landesjugendamt intensiv beteiligt.
Mit Beschluss vom 1.7.1997 hat der Landesjugendhilfeausschuss die fachlichen Empfehlungen zur Sozialpädagogischen Familienhilfe (§ 31 SGB VIII) unter Berücksichtigung der Entwicklungen in der Praxis sowie neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse aktualisiert.
Das Arbeitsfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe wird regelmäßig im Fortbildungsprogramm des Landesjugendamts berücksichtigt.
Fachliche Empfehlungen zur Sozialpädagogischen Familienhilfe
Beschluss des Landesjugendhilfeausschusses vom 1.7.1997
Publikationen des Landesjugendamts
Sauter, R. /Schifferer E.: Ergebnisqualität (im Anhang: Systematik zur Beschreibung der Ergebnisqualität am Beispiel der Sozialpädagogischen Familienhilfe (§ 31 SGB VIII)), in: Mittbl Nr. 5/1999, S. 1 - 11.
Weitere empfohlene Veröffentlichungen
Blüml, H., Helming, E. und Schattner, H., Deutsches Jugendinstitut (Hg): Sozialpädagogische Familienhilfe in Bayern, Abschlussbericht, München: Eigenverlag 1994.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg): Handbuch Sozialpädagogische Familienhilfe, Stuttgart; 3. überarb. Auflage 2000.
Evangelischer Erziehungsverband e. V. (Hg): Familienaktivierende Konzepte, EREV Schriftenreihe 4/97, Hannover.
Gehrmann, G./Müller, K. D.: Familie im Mittelpunkt, Handbuch effektives Krisenmanagement für Familien, Regensburg, 3. Auflage 2008.
Jugendamt Frankfurt (Hg): Stationäre Familienbetreuung, Daheim statt ins Heim, Auswertung des Frankfurter Modellprojektes 1994 - 1998, Frankfurt/Main: Selbstverlag 1999.
Kreuzer, M.: Handlungsmodelle in der Familienhilfe. Zwischen Networking und Beziehungsempowerment, München 2001
Landesarbeitsgemeinschaft Sozialpädagogische Familienhilfe in Bayern e.V. (Hg): Bestandsaufnahme 2003. SPFH- und AHzE-Fachdienste in Bayern, Selbstverlag.
Neuberger, Ch.: Fallarbeit im Kontext flexibler Hilfen zur Erziehung. Sozialpädagogische Analysen und Perspektiven, Wiesbaden 2004.
Petko, D.: Gesprächsformen und Gesprächsstrategien im Alltag der Sozialpädagogischen Familienhilfe, Göttingen 2004.
Ritscher, W.: Einführung in die systemische Soziale Arbeit mit Familien, Heidelberg 2006.
Schuster, E. M.: Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH), Aspekte eines mehrdimensionalen Handlungsansatzes für Multiproblemfamilien, Frankfurt/Main: Peter Lang 1997.
Skotnik, M. und Projekt-Team: Ein intensives Kriseninterventionsprogramm für Familien in Frankfurt/Main: Das Modellprojekt IKIP von AGORA e. V., in: Forum Erziehungshilfen 3/1998, S. 176 - 182.
Woog, A.: Soziale Arbeit in Familien: Theoretische und empirische Ansätze zur Entwicklung einer pädagogischen Handlungslehre, Weinheim, 3. Auflage 2006.



