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Auszug aus der Projektskizze
Evaluation der Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen


Die Ergebnisse der Jugendhilfe-Effekte-Studie (JES) und verschiedene weitere Bemühungen um Qualitätsentwicklung und Wirkungsorientierung in der Erziehungshilfe zeigten die Notwendigkeit einer konkretisierten und standardisierten Bedarfsfeststellung durch das Jugendamt zu Beginn der Hilfeplanung.

Mit den Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen hat das Landesjugendamt 2001 ein Instrumentarium der Bedarfsfeststellung in Ausführung des § 27 SGB VIII vorgelegt, das diesem Kriterium gerecht wird: Es erlaubt, Risiken und Ressourcen der Erziehung und Entwicklung eines jungen Menschen systematisch und in den Kategorien erschöpfend zu beschreiben.
Die Benennung der beobachtbaren Merkmale führt zur differenzierten Feststellung des notwendigen erzieherischen Bedarfs gemäß § 27 SGB VIII. Aus der genauen Benennung des erzieherischen Bedarfs leitet sich der Hilfeplan und dessen ergebnisorientierte Steuerung ab.

Die Qualifizierung dieses Verfahrens trägt zur Vermeidung von Fehleinschätzungen mit der Folge der Gewährung einer nicht geeigneten Hilfe sowie zur Ermöglichung eines eng geführten Hilfeplanverfahrens bei, was nicht nur zu mehr Sachgerechtigkeit, sondern auch zu mehr Kostengerechtigkeit führt. Es macht das ganze Verfahren für alle Beteiligten durchschaubar und eröffnet den jungen Menschen und ihren Familien nachvollziehbare Möglichkeiten der Beteiligung an den sie betreffenden Entscheidungsprozessen. Insbesondere trägt das Instrumentarium dazu bei, die im SGB VIII grundgelegten Leistungsansprüche rechtlich, fachlich und gegebenenfalls auch verwaltungsgerichtlich überprüfbar verantwortlich zu begründen.

Die Evaluationsstudie sollte überprüfen, inwieweit die Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen diesen Ansprüchen gerecht werden.

Die Evaluation der Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen hat zu Grunde liegenden Hypothesen insgesamt bestätigt:


Wie Prof. Dr. Michael Macsenaere, Direktor des Instituts Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) in Main bestätigt, verbessert der Einsatz der Tabellen die Zuweisungsqualität und fürht zu erfolgreicheren Hilfen. Als Standard  für die Eingangsdiagnose im Jugendamt ermöglicht dieses eine effektive und differenzierte Feststellung des individuellen Hilfebedarfs bei Kindern und Jugendlichen. Es wird erwartet, dass dieses Verfahren die Hilfeplanung für alle Beteiligten transparenter gestaltet und in der Folge durch die Hilfen eine höhere Effektivität und Effizienz erreicht wird. Mit der 2003 begonnenen Evaluation der Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen (EST!) sollten diese und weitere Erwartungen an das Diagnoseverfahren auf ihre Bewährung im Praxiseinsatz geprüft werden. Die vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen finanziell geförderte Evaluation wurde als prospektive Kontrollgruppenstudie mit einer Laufzeit von fünf Jahren konzipiert. Mit diesem anspruchsvollen und in der Jugendhilfeforschung bisher kaum eingesetzten Design überprüfte das Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) aus Mainz den Praxiseinsatz der Tabellen in elf bayerischen Jugendämtern. Zudem wurden die daraus resultierenden Hilfen evaluiert und mit einer Kontrollgruppe, die die Tabellen nicht einsetzte, verglichen. Die im März 2008 abgeschlossene EST-Studie kam zu folgenden Resultaten:

Die Diagnose-Tabellen erweisen sich im Rahmen einer testtheoretischen Analyse als hoch reliables (zuverlässiges) und valides (gültiges) Diagnoseverfahren, das die Risiken und Ressourcen des jungen Menschen“ und seines Umfeldes umfassend beschreibt. Allerdings führte die getestete EDV-Fassung, in der insgesamt 664 Items beantwortet werden mussten, zu einem Mehraufwand von einer Stunde. Für die Gruppe der weniger erfahrenen ASD-Fachkräfte stellen die Tabellen aber eine Strukturierungshilfe dar. Mit dem Einsatz der Diagnose-Tabellen wird eine tendenziell höhere Zuweisungsqualität erreicht: In 74% der Fälle gelingt es, die geeignete Hilfeart zu wählen (Kontrollgruppe 69%).

Neben diesen Ergebnissen zur Nutzung der Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen im Jugendamt erfasste die prospektive Evaluation auch die Auswirkungen auf den Verlauf der ausgewählten Hilfen. Der Einsatz der Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen führt tendenziell zu effektiveren Hilfen. Dies wird durch eine signifikant erfolgreichere Reduzierung der Defizite erreicht. Berufsanfängern gelingt es mit dem Einsatz der Tabellen das Effektivitätsniveau ihrer erfahrenen Kollegen zu erreichen. Die subjektive Zufriedenheit der beteiligten jungen Menschen und Familien fällt dagegen uneinheitlich und ihre Partizipation und Kooperation geringer aus. Die Anwendung der Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen hat teurere, aber auch nachweislich effektivere Hilfen zur Folge, sodass eine tendenziell höhere Effizienz der Hilfen erreicht wird. Zudem werden weniger Anschlusshilfen notwendig, was langfristig eine bessere volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Relation begünstigt.

Mit den Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen hat das Bayerische Landesjugendamt ein Instrumentarium der Bedarfsfeststellung vorgelegt, das Risiken und Ressourcen eines jungen Menschen und seines Umfeldes systematisch beschreibt und sie für die Hilfeplanung sowie für effektivere und effizientere Hilfen nutzbar macht. Für den zukünftigen Einsatz wurden aus der Evaluation eine Reihe von Empfehlungen abgeleitet. Eine Feststellung der Kindeswohlgefährdung wird vorangestellt werden und das Instrumentarium wurde unter Berücksichtigung der testtheoretischen Ergebnisse komprimiert, um einen effizienteren Einsatz zu ermöglichen. Wenn es gelingt, die Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen strukturell im Jugendamt zu verankern und in den Hilfeprozess zu integrieren, können sie als ein effektives Standardverfahren zur Qualifizierung der Sozialarbeit beitragen.

Die optimierte Fassung der Sozialpädagogischen Diagnose-Tabellen erschien 2009 - siehe Schriften. Service. Ebenfalls unter Schriften, Service findet sich der Abschlussbericht des Evaluationsprojekts EST!

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