Regionale Anlauf- und Be­ra­tungs­stelle für ehemalige Heim­kinder in Bayern

Kontakt und Erreichbarkeit

ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt
Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern

Büroräume: ZBFS - Region Oberbayern
Richelstraße 17
80634 München
Tel.: 089 18966-2461
Fax: 089 18966-1499
E-Mail: anlaufstelle@zbfs.bayern.de

Öffnungszeiten des ZBFS

Montag bis Freitag von 8 - 12 Uhr
Montag und Donnerstag von 13 - 15 Uhr

Die regionale Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern wurde im Rahmen des Fonds "Heimerziehung in der Bundes­republik Deutsch­land in den Jahren 1949 bis 1975" zum 01. Januar 2012 beim ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt eingerichtet.
Die Anlaufstelle ist für die Umsetzung des Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975 in Bayern verantwortlich.

Die Anlaufstelle unterstützt ehemalige Heimkinder in Bayern best­möglich im Sinne des Abschlussberichts des Runden Tisches Heimerziehung bzw. der Fondssatzung und wirkt maß­geblich an der Aufarbeitung der bayerischen Heimerziehung der Jahre 1949 bis 1975 mit. Die Anlaufstelle legt dabei besonderen Wert auf transparente und vernetzte Arbeitsweisen und die Einbeziehung ehemaliger Heimkinder.

Wichtiger Hinweis:

Die Anmeldefrist für den Fonds Heimerziehung WEST ist am 31.12.2014 abgelaufen.
Betroffene, die sich zwischen dem 01.01.2012 und dem 31.12.2014 bei der zuständigen Anlauf- und Beratungsstelle gemeldet hatten, konnten unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Hilfen erhalten. Darüber hinaus konnten Betroffene, die sich zwischen dem 01.01.15 und 31.12.15 gemeldet hatten, unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen einer Härtefallregelung finanzielle Hilfe erhalten. Diese Möglichkeiten bestehen inzwischen nicht mehr.

Aufgaben der bayerischen Anlauf- und Beratungsstelle

Wir beraten und unterstützen ehemalige Heimkinder weiterhin bei jeglichen An­liegen, die ihre Heimerziehung betreffen, z. B. Suche nach Akten, Angehörigen und anderen Betroffenen.
Darüber hinaus unterstützen wir ehemalige Heimkinder bei individuellen Anliegen, z. B.

  • Psychische und gesundheitliche Probleme
  • Begleitung bei Behördengängen
  • Informationen und Beratung über Leistung der sozialen Sicherung
  • Suche und Vermittlung weiterführender Hilfen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege (Beratung, Therapie) einschließlich finanzieller Hilfen von Stiftungen und Kirchen
  • Suche nach Arbeit, geringfügiger oder ehrenamtlicher Beschäftigung
  • Erstberatung bei Anliegen betreffend der Thematik „Selbstbestimmtes Leben im Alter und bei Pflegebedürftigkeit“

Zudem leisten wir einen Beitrag zur überin­di­vi­duel­len Aufarbeitung der Heimerziehung in Bayern. Schließlich leisten wir mit den gewonnenen Erkenntnissen und Er­fah­rungs­wer­ten einen Beitrag für zukunftsgestaltende und präventive Maß­nahmen und Strategien der Jugendhilfe, im Besonderen der statio­nä­ren Jugendhilfe.

Hintergrundinformationen

Am 11. Dezember 2006 fand vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eine Anhörung von Betroffenen statt, die in ihrer Kindheit oder Jugend in einem Heim untergebracht waren. Sie berichteten über Missstände in den Einrichtungen, über persönliches Leid und die Folgen, mit denen sie heute noch zu kämpfen haben.

Infolgedessen hat der Petitionsausschuss zur Aufarbeitung der westdeutschen Heimerziehung zwischen 1949 und 1975 eine Beschlussempfehlung verfasst, die der Deutsche Bundestag am 4. Dezember 2009 verabschiedet hat. Darin wurden die Bundesregierung und die westdeutschen Bundesländer aufgefordert, in gemeinsamer Verantwortung einen Runden Tisch einzurichten. Dieser Bitte kamen Bund und Länder nach, indem der Deutsche Bundestag in fraktionsübergreifendem Konsens die Einrichtung des „Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ unter Beteiligung von Betroffenen, Trägern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Verbänden, Vertreterinnen und Vertretern des Bundes und der Länder sowie der Kirchen beschloss.

Runder Tisch „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren"

Der Runde Tisch konstituierte sich am 17. Februar 2009 unter dem Vorsitz von Bundestagsvizepräsidentin a. D. Dr. Antje Vollmer. Zu den Aufgaben des Runden Tisch(s) gehörten u. a. die Aufarbeitung der Heimerziehung unter Berücksichtigung der damaligen rechtlichen, pädagogischen und sozialen Bedingungen, die Prüfung von Hinweisen auf Betroffenen zugefügtes Unrecht, die Aufarbeitung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und gesundheitlicher (organischer oder psychischer) Folgen der Heimerziehungspraxis, die Förderung der Kommunikation zwischen den Betroffenen und den „Nachfolge“-Organisationen der damaligen Heimträger, die Vermittlung von Beratungsangeboten, die Entwicklung von Kriterien zur Bewertung der Forderungen ehemaliger Heimkinder sowie das Erarbeiten von Lösungsansätzen.

Mit der öffentlichen Vorstellung seines Abschlussberichtes am 13. Dezember 2010 und der Übergabe an den Deutschen Bundestag am 19. Januar 2011 hat der „Runde Tisch Heimerziehung“ sein auf zwei Jahre befristetes Mandat fristgerecht erfüllt und seine Arbeit beendet.

Ergebnisse des Runden Tisches

Die Lösungsansätze des Runden Tisches umfassen sowohl immaterielle als auch materielle Formen der Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Angeregt wurde unter anderem die Gründung eines bundesweiten Fonds, der gemeinsam von Bund, westdeutschen Bundesländern, den beiden großen christlichen Kirchen und ihren Wohlfahrtsverbänden sowie den Orden getragen wird. Der Fonds soll ermöglichen, dass Betroffene Hilfen zur Milderung noch heute bestehender Folgen aus der Zeit ihrer Heimunterbringung zwischen den Jahren 1949 und 1975 erhalten können.

Umsetzung des Fonds Heimerziehung West in Bayern

Das in Bayern federführende Bayerische Sozialministerium bezog im Jahr 2011 freie und öffentlich-örtliche sowie -überörtliche Jugendhilfeträger eng in die Überlegungen und Planungen zur Umsetzung des Fonds ein. Darüber hinaus wurden wertvolle Hinweise und Anregungen engagierter Betroffener bei der Ausgestaltung mitberücksichtigt.

In Bayern wurde zum 01.01.2012 beim ZBFS–BLJA eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für das gesamte Bundesland eingerichtet.
Aufgrund fachlich-personeller Ausstattung ist aufsuchende Beratung möglich. Schwerpunkt der Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt auf psychosozialer Beratungskompetenz: Sozialpädagogik, Pädagogik, Psychologie mit Zusatzausbildungen in Beratung, Therapie und Gesprächsführung sowie entsprechender Berufserfahrung.

Einer Empfehlung des Runden Tisches folgend, forcierte die bayerische Anlaufstelle von Beginn an die Beteiligung ehemaliger Heimkinder an der Umsetzung des Fonds. Nach einem Sondierungsgespräch mit engagierten Betroffenen im September 2013 konstituierte sich im Januar 2014 schließlich der paritätisch besetzte Beirat (sechs Betroffene, Vertretungen des Landtags, der Staatsregierung, der Kirchen, der Wissenschaft, des Trägers der Anlaufstelle; Geschäftsführung und fachliche Begleitung durch die Anlaufstelle), welcher seither die Arbeit der bayerischen Anlauf- und Beratungsstelle maßgeblich begleitet.

Aktuelle Situation der Bayerischen Anlaufstelle

Der Fonds Heimerziehung West ist befristet und endet am 31.12.2018.

Die bayerische Anlaufstelle hat bislang mit rund 3.000 Betroffenen Gespräche geführt.
Zum Stichtag 31.07.2018 hat die bayerische Anlaufstelle 5.045 Vereinbarungen (= Anträge auf finanzielle Leistungen) mit einem Wert von 35,65 Mio Euro für 2.610 Betroffene bei der Geschäftsstelle eingereicht. 34,51 Mio. Euro sind bislang an ehemalige Heimkinder in Bayern ausgezahlt worden.
Noch nicht veröffentlichte Ergebnisse einer eigens von der bayerischen Anlauf- und Beratungsstelle in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie belegen, dass die Kombination von Gesprächsangeboten und finanziellen Leistungen vielen ehemaligen Heimkindern geholfen haben, besser mit ihren leidvollen Erfahrungen in Kindheit und Jugend leben zu können. Alleine, dass „ihre Geschichte“ ein gesellschaftliches und politisches Thema geworden ist, ist für viele von Bedeutung. Die Fonds Heimerziehung sind für viele Betroffene ein Symbol dafür, dass Verantwortungsträger aus Politik und Kirchen die Missstände der Vergangenheit sehen, ernst nehmen und veranlasst sind, etwas tun – auch finanziell.

Anlauf- und Beratungsmöglichkeiten für ehemalige Heimkinder nach dem 31.12.2018

Eine weitere noch nicht veröffentlichte Bundesstudie hat ergeben, dass die Beratungsleistungen der Anlauf- und Beratungsstellen aus Sicht der Betroffenen die bedeutsamste und wirkungsvollste Leistung der Fonds Heimerziehung Ost und West war.

Die gegenwärtigen sozialpolitischen Vorgänge in Bayern lassen hoffen, dass es auch nach dem 31.12.2018 eine  Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern geben wird.

Die Aufgaben, Angebote und Leistungen einer solchen Beratungsstelle würden sich weiterhin an den bewährten Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung orientieren:

  • Ort für ehemalige Heimkinder, um über ein lange Zeit verdrängtes und tabuisiertes Thema zu sprechen
  • Beratungsangebote, insbesondere zum Thema Hilfen im Alter
  • Unterstützung bei der Erschließung weiterführender Hilfesysteme (Lotsenfunktion)
  • Sensibilisierung und Qualifizierung von Regelstrukturen für die besonderen Belange der Betroffenen (bspw. Struktur der Altenhilfe und Pflege)
  • Fortsetzung der historisch-gesellschaftspolitischen Aufklärungsarbeit
  • Etablieren einer Erinnerungskultur, nicht zuletzt, um Erfahrungen für gegenwärtige und zukünftige stationäre Jugendhilfe zu nutzen
  • Biografie-Arbeit / Aktensuche / Aufarbeitung der Vergangenheit

Dokumente und Links

Veröffentlichungen des Landesjugendamts

Rösler, Stefan: Über die Aufarbeitung stationärer Unterbringungen von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Jugendfürsorge, der Behindertenhilfe und der Psychiatrie: "Ich kann es nicht vergessen..."; ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt 3/2017

Rösler, Stefan; Hillmeier, Hans: Runder Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren – Lehren für die Zukunft; ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Jahresbericht 2010

Weiterführende Links und Informationen

Fonds Heimerziehung

Runder Tisch Heimerziehung

Anlaufstelle Heimerziehung

Bundeszentrale Geschäftsstelle des Fonds