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Laserspielanlagen

Eine erneute Herausforderung für den Jugendschutz

Das ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt hat in seinem Mitteilungsblatt Nr. 2 aus dem Jahr 2014 Kriterien veröffentlicht, die eine Bewertung von Laserspielanlagen unter Jugendschutzgesichtspunkten erleichtern. Diese Kriterien wurden in die Vollzugshinweise zum Jugendschutzgesetz (JuSchG) aufgenommen, die von der Bayerischen Staatsregierung zum 01.02.2018 in Form von Verwaltungsvorschriften bekannt gegeben wurden (Allgemeines Ministerialblatt – AllMBl. 2018 / 1 https://www.verkuendung-bayern.de/allmbl/jahrgang:2018/heftnummer:1).

Im Jahr 2018 wurden diese Kriterien mit einem weiteren Mitteilungsblatt-Beitrag (Ausgabe Nr. 2/2018) ergänzt, da jetzt auch vergleichbare Spiele mit sog. Nerfwaffen anstelle von laserbasierten Markierungsgeräten angeboten wurden. Dies sind Spielzeugwaffen (Revolver, Gewehre, Maschinengewehre) aus Plastik, die echten Waffen nachempfunden sind und Schaumstoffgeschosse (Darts) verschießen.

Aktuell hat sich nun gezeigt, dass sich die Betreiber von Laserspielanlagen verstärkt darum bemühen, jüngere Kinder für ihre Angebote zu interessieren. Dazu haben sie die angebotenen Spiele signifikant modifiziert, um eine mögliche Gefährdung oder Beeinträchtigung der Entwicklung Minderjähriger zu minimieren. Aus diesem Grund gibt es zwischenzeitlich in Bayern eine ganze Reihe von Laserspielanlagen, die nur noch schwer vergleichbar sind, da sie ganz unterschiedliche Spielangebote bereithalten. Für die Jugendämter erschwert sich damit der Umgang mit diesen Spielstätten, da sie nicht nur für die Anlage selbst, sondern auch für jedes einzelne dort angebotene Spiel (siehe Urteil des VG München vom 20.3.2019 – M 18 K 17.3701) prüfen müssen, ob Minderjährige, die an diesen Spielen teilnehmen, in ihrer psychosozialen Entwicklung beeinträchtigt oder geschädigt werden. Nach dieser Prüfung sind dann gegebenenfalls Auflagen nach § 7 Jugendschutzgesetz (JuSchG) zu verfügen, um Kinder und Jugendliche zu schützen.

Um die Jugendämter bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe zu unterstützen, hat das Bayerische Landesjugendamt gemeinsam mit Fachkräften des Jugendschutzes aus Jugendämtern, in deren Zuständigkeit Laserspielanlagen betrieben werden, die o.g. Kriterien weiter differenziert und präzisiert. An dieser Stelle gilt unser herzlicher Dank der fachkompetenten und engagierten Mitarbeit dieser Kolleginnen und Kollegen.

Die unten aufgelisteten Kriterien (s. Checkliste "Laserspielanlage") sollen die Bewertung von Laserspielanlagen und vergleichbarer Spielstätten unter Jugendschutzgesichtspunkten erleichtern. Die aufgelisteten Merkmale sind jeweils Altersangaben zugeordnet. Diese geben einen Hinweis darauf, für welche Altersgruppe das Merkmal eine besondere Relevanz hat, die ggf. zu einer Beeinträchtigung oder Gefährdung der psychischen Entwicklung von Minderjährigen führen kann. Da einzelne Kriterien erst in Wechselwirkung mit anderen Kriterien oder weiteren Faktoren Wirkung entfalten, kann erst in einer Gesamtschau aller Kriterien beurteilt werden, ob gegebenenfalls für einzelne Altersgruppen Zugangsbeschränkungen für die jeweilige Spielstätte nach § 7 des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) verfügt werden müssen.

Checkliste "Laserspielanlage"

Zugang von Kindern

In den Vollzugshinweisen zum Jugendschutzgesetz (VJuSchG) vom 10.01.2018 https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVV_2161_A_560 ist bestimmt, dass im Regelfall davon auszugehen ist, „dass das Laserspiel für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht freigegeben werden darf, da es ihre psychische und soziale Entwicklung gefährdet“. Nur in Ausnahmefällen „kann das Laserspiel bereits für Jugendliche ab 14 Jahren freigegeben werden, falls im Rahmen einer Gesamtschau eine Gefährdung dieser Altersgruppe nicht anzunehmen ist“.

Diese Verwaltungsvorschriften haben für die Jugendämter bindende Wirkung.

Aktuell haben nun manche Betreiber von Laserspielanlagen und vergleichbaren Spielangeboten ihr Angebot wesentlich verändert, um neue Nutzergruppen zu erschließen. So finden sich nun auch Spielvarianten, bei denen die Spielenden nur auf nicht menschenähnliche Ziele schießen. Damit ist ein zentraler Gefährdungsaspekt von Laserspielen nicht mehr gegeben. Aus diesem Grund kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne solcher Spielangebote auch von Kindern ohne Beeinträchtigung genutzt werden könnten.

Allerdings bergen auch solche stark modifizierten Spielangebote noch erhebliche Risiken im Hinblick auf die spezifischen Entwicklungsaufgaben im Kindesalter, wie z.B. die Entwicklung von Gewissen, Moral und einer Werteskala. Auch bestehen andere Risikofaktoren wie z.B. übermäßiger Stress oder Ängstigung weiter.

Zu überlegen wäre, ob in solchen Fällen mit zusätzlichen Auflagen und bindenden Vorgaben die verbleibenden Risiken minimiert werden könnten, um so eine Spielteilnahme von Kindern zu ermöglichen. Solche Auflagen könnten sein:

  • Schriftliche Einverständniserklärung der Personensorgeberechtigten, deren Erreichbarkeit sichergestellt ist.
  • Gute Übersicht – Sichtbarkeit und Hörbarkeit aller Spielenden.
  • Spielangebote für Kinder sind von den Spielvarianten für Erwachsene und Jugendliche getrennt – räumlich und / oder zeitlich.
  • Altersgemischten Gruppen haben einen persönlichen Bezug untereinander.
  • Das aktive Eingreifen in das Spielgeschehen durch eine Aufsichtsperson ist jederzeit möglich, z.B. aktives Ansprechen einzelner Kinder.
  • Die Notwendigkeit einer fairen Spielweise wird bei der Einführung betont.
  • Eine volljährige Person begleitet die Spielenden.
  • Zeitgrenze wie im Kino bis max. 20 Uhr.

Allerdings stehen aktuell die Bestimmungen des VJuSchG einer solchen Handhabung noch entgegen, es sei denn, es handelt sich um ein eigenständiges, nicht der Kategorie Laserspiel zuordenbares Spielangebot. Die Weiterentwicklung der Spiele im Bereich Laserspiel wird deshalb zu beobachten sein, um gegebenenfalls die Vollzugshinweise zum Jugendschutz entsprechend zu modifizieren.

Hinweise zum Auflagenbescheid:
Bei der Werbung und dem Internetauftritt muss auf die Zugangsbeschränkungen zu den jeweiligen Spielen hingewiesen werden.

Um die Handhabbarkeit der aufgelisteten Kriterien in der Praxis zu verbessern, wurden diese in eine Checkliste integriert. Diese Liste wird den Fachkräften des Jugendschutzes in Bayern per E-Mail übermittelt und kann beim Bayerischen Landesjugendamt angefordert werden. Die Checkliste kann nur dazu dienen, sicherzustellen, dass alle relevanten Aspekte geprüft werden. Die Bewertung der gesammelten Informationen kann nur in einer Gesamtschau erfolgen, deshalb reicht eine summarische Gegenüberstellung der Gefährdungsrisiken nicht aus!

Bettina Eickhoff, Udo Schmidt