Jugendmedienschutz

Medien spielen im Alltag von jungen Menschen eine zentrale Rolle. Sie bieten Chancen, bergen aber auch Risiken. Um diese Risiken zu minimieren, werden Kinder und Jugendliche medienpädagogisch gestärkt und die Eltern bei ihrer Erziehungsaufgabe unterstützt. Den notwendigen Rahmen dafür schaffen Gesetze, die die Verbreitung bestimmter Medieninhalte begrenzen.

Die vorstehenden Rechtsvorschriften tragen dabei dem unter­schied­lichen Grad der Beeinträchtigung bzw. Gefährdung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen Rechnung. Deren Schutz ist dabei auf vier graduell abgestuften Ebenen geregelt.

1. Strafbare Medieninhalte

Die Verbreitung bestimmter Medieninhalte, zum Beispiel solcher, die pornographisch sind, zum Rassenhass aufstacheln, zu schweren Straftaten anleiten, unmenschliche Gewalttätigkeit verherrlichen bzw. verharmlosen oder volksverhetzend sind, ist durch Strafgesetze beschränkt oder ganz verboten. Bei kinder- und jugend­porno­graphi­schen Medien ist auch der Besitz verboten.

2. Schwer jugendgefährdende Medieninhalte

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass Medien, die Kriegsverherrlichung, Pornographie, Darstellung von Kindern und Jugendlichen in un­na­tür­licher, geschlechtsbetonter Körperhaltung sowie die Menschenwürde verletzende Darstellung von Menschen, die sterben oder schweren körperlichen oder seelischen Leiden ausgesetzt sind oder waren, eine schwer jugendgefährdende Wirkung haben.

3. Jugendgefährdende Medieninhalte

Jugendgefährdend sind Medieninhalte, die die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gefährden.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) ent­schei­det, ob eine Jugendgefährdung vorliegt (Indizierung). Indizierte Medien dürfen Minderjährigen nicht zugänglich gemacht werden.

4. Jugendbeeinträchtigende Medieninhalte

Bestimmte Medieninhalte sind zwar nicht als jugendgefährdend ein­zu­stufen, sie können aber geeignet sein, die Entwicklung von Kindern und Ju­gend­li­chen eines bestimmten Alters oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Per­sön­lich­keit zu be­ein­trächtigen. Sie dürfen deshalb nur dann an Kinder und Jugendliche verkauft oder ihnen auf andere Weise zugänglich gemacht werden (z. B. Kino oder Internetcafé), wenn sie eine Altersfreigabe erhalten haben.

Verschiedene Kontrollinstitutionen überwachen die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Für Medien gelten folgende Bestimungen:

Filme, DVDs und Computerspiele (JuSchG)

Filme, Videos, DVDs sowie Computer- und Konsolenspiele dürfen nur dann an Kinder und Jugendliche verkauft oder ihnen auf andere Weise zu­gänglich gemacht werden (z. B. Kino oder Internetcafé), wenn sie eine Altersfreigabe er­hal­ten haben. Die Altersfreigaben werden von Selbst­kon­troll­or­ganen (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft - FSK - für Filme, Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle - USK - für Spielprogramme) im Zusammenwirken mit den Obersten Landesjugendbehörden erteilt. Sie wirken als rechts­ver­bind­liche, nach dem Alter abgestufte Abgabe- und Zu­gangs­be­schrän­kungen. Sie sind keine pädagogischen Em­pfeh­lun­gen. Die Kennzeichnung erfolgt nach Altersstufen:

  • Freigegeben ohne Altersbeschränkung
  • Freigegeben ab sechs Jahren
  • Freigegeben ab zwölf Jahren
  • Freigegeben ab sechzehn Jahren
  • Keine Jugendfreigabe

Fernsehen (JMStV)

Im Fernsehen dürfen Filme, die "ab 16 Jahren" freigegeben wur­den, erst nach 22 Uhr gesendet wer­den. Bei einer Kenn­zeich­nung "ab 18" darf eine Ausstrahlung erst nach 23 Uhr erfolgen. Die Verbreitung schwer jugendgefährdender, por­no­graphi­scher und sonstiger jugendgefährdender Inhalte ist verboten. Über die Platzierung anderer Inhalte im Pro­gramm entscheidet der Sender in eigener Ver­ant­wor­tung. Viele private Sender bitten die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) dazu um eine fachliche Stellungnahme.

Internet (JMStV)

Schwer jugendgefährdende Inhalte dürfen nicht verbreitet werden.

Jugendgefährdende Angebote dürfen nur in sogenannten "geschlossenen Benutzergruppen" verbreitet werden, bei denen vonseiten des Anbieters sichergestellt ist, dass nur Erwachsene Zugriff haben.

Beeinträchtigende Inhalte müssen so verbreitet werden, dass sie differenziert nach Altersstufen zu­gäng­lich sind. Dies kann durch technische oder sonstige Mittel oder durch die Wahl der Zeit, in der die Angebote verbreitet oder zu­gäng­lich gemacht werden (vergleichbar dem Fernsehen), gewährleistet werden.

Andere Medien (JuSchG)

Bei anderen Medien (z. B. CDs, Hefte, Bücher) sieht das Ge­setz keine Altersfreigaben und auch zunächst keine Ver­triebs­be­schrän­kungen vor.

Strafrechtlich relevante Medien dürfen nicht und schwer jugendgefährdende Medien nur sehr stark eingeschränkt verbreitet werden. Enthalten sol­che Medien unterhalb dieser Schwelle problematische In­hal­te, ist eine Entscheidung der Bundesprüfstelle für ju­gend­gefährdende Medien zur möglichen jugend­gefähr­den­den Wirkung herbeizuführen, die dann Beschränkungen nach sich zieht.

Aufgaben des Landesjugendamts

Zur Sicherstellung des Jugendschutzes führt das Landesjugendamt im Medienbereich stichprobenartig oder schwerpunktmäßig Kontrollen durch. Beschwerden aus der Bevölkerung und von Fachkreisen wer­den mit Unterstützung der zuständigen Stellen bearbeitet. Bei jugend­gefähr­denden Inhalten stellt das Landesjugendamt Indizie­rungs­anträge an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

Vertreter des Landesjugendamts wirken in den Prüfgremien des Ju­gend­medien­schutzes mit (FSK, FSF, BPjM, Prüfgruppen der KJM).

Die Geschäftsführung des Bayerischen Mediengutachterausschusses (BMGA) obliegt dem Bayerischen Landesjugendamt. Im BMGA sind die relevanten bayerischen Institutionen des Jugend­medien­schutzes ver­tre­ten. Dieses Gremium berät und unterstützt die oberste Lan­des­ju­gend­behör­de insbesondere bei deren Entscheidungen im Zu­sam­men­hang mit inhaltlichen oder grundsätzlichen Bewertungen von Medien.

Neben den Kontrollaufgaben pflegt das Landesjugendamt seine Kon­takte zu Ansprechpartnern bei den Medienanbietern (Jugend­schutz­re­ferenten) und den verschiedenen Kontrollinstanzen. Wichtige Ziele sind die Verständigung über Kriterien der Be­urtei­lungs­praxis von Medien und die Vernetzung der relevanten Jugendschutzinstitutionen im Me­dien­be­reich, um einen einheitlichen und abgestimmten Beurteilungsmaßstab der bayerischen Institutionen und Prüfer zu gewährleisten.

Daneben berät das Landesjugendamt die Jugendämter und freien Trä­ger bei Rechtsfragen im Zu­sammen­hang mit Medien (z. B. Internet-Cafés).

Stellungnahmen zu grundsätzlichen Fragen, nicht zuletzt auch im Hinblick auf mögliche gesetzgeberische Aktivitäten, vervollständigen den Aufgabenbereich.

Fachbeiträge und Publikationen

Veröffentlichungen des Landesjugendamts

Gutknecht, Sebastian: Struktur des Jugendmedienschutzes in Deutschland; Vortrag im Rahmen der Jugendschutztagung "Orientierung im Labyrinth der Medien" am 27./28.10.2016 in Nürnberg; ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt 2015

Niederleitner, Bettina; Seifert, Sabine; Niggel, Michael; Schmidt, Udo: Sexualität im Film
ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt 6/2012

Schmidt, Udo: Anbieten von indizierten Medien auf Flohmärkten
ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt 6/2008

Schmidt, Udo: Gestaltung von Automatenvideotheken
ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt 5/2008

Weitere empfohlene Veröffentlichungen

Vollzugshinweise zum Jugendschutzgesetz (bekanntgegeben durch AMS vom 06.03.2007, Az. VI 5/7310/14/07; IMS vom 16.03.2007, Az. IC 5-6551-SIF; laufend aktualisiert; Stand: 01.08.2012)