Staatliches Wächteramt

Die Kinder- und Jugendhilfe hält vorrangig helfende, beratende, unter­stützende und fördernde Angebote für junge Menschen und ihre Fa­milien bereit. Der Staat achtet das „natürliche Recht der Eltern“, für die Pflege und Erziehung ihrer Kinder zu sor­gen und dieser Ver­pflich­tung nach den je eigenen Vorstellungen und Mög­lich­kei­ten gerecht zu werden - vgl. Art. 6 Grundgesetz (GG).

Dieses grundgesetzlich verankerte elterliche Erziehungsrecht schafft jedoch keinen rechtsfreien oder willkürlichen Raum: „Über ihre Betätigung wacht die staatliche Ge­meinschaft“ (Art. 6 Abs. 2 Satz 2 GG; § 1 Abs. 2 SGB VIII).

Rechtsgrundlagen


Mit diesen gesetzlichen Definitionen ist grundgelegt, was im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe als „staatliches Wächteramt“ verstanden wird: Mit einer breiten Pa­lette von Leistungen für Eltern und andere Personensorgeberechtigte sowie für die jungen Menschen selbst leistet die Kinder- und Jugendhilfe einen wichtigen Bei­trag, dem Recht junger Menschen auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Er­zie­hung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit Geltung zu verleihen (§ 1 SGB VIII).

Wird gegen dieses Recht in schwerwiegender Weise verstoßen, muss die Kinder- und Jugendhilfe alle Minderjährigen schützen. Sind die Eltern nicht bereit oder in der Lage, die Gefährdungen abzuwenden und/oder Hilfen des Jugendamtes an­zu­neh­men, muss das Jugendamt im Falle weiter andauernder Gefährdungen die not­wen­di­gen Maßnahmen beim Familiengericht anregen.

Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe – KICK vom 08.09.2005 und dem Bundeskinderschutzgesetz – BKiSchG vom 22.12.2011 wur­den die Aufgaben des Jugendamtes bei der Wahrnehmung des Schutzauftrags im Falle der Kindeswohlgefährdung, insbesondere durch die Regelungen des § 8a SGB VIII, präzisiert.

Aufgaben des Landesjugendamtes

Das Landesjugendamt unterstützt die örtlichen Jugendämter bei der Wahrnehmung der im Rahmen des staatlichen Wächteramts bestehenden Aufgaben durch Fort­bil­dung, Fachberatung, Fachtagungen und die Bereitstellung fachlicher Emp­feh­lun­gen sowie praxisnaher Arbeitshilfen.

Fachbeiträge und Publikationen

Veröffentlichungen des Landesjugendamts

ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.): Sozialpädagogische Diagnose-Tabelle & Hilfeplan; München 2013

ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt: Das neue Bundes­kinder­schutzgesetz: Änderungen – Herausforderungen – Klärungen; ZBFS - BLJA Mitteilungsblatt-Nr. 1/2012; München 2012

ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.): Fach­liche Empfeh­lungen zur Umsetzung des Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII; Beschluss des Bayerischen Landesjugendhilfeausschusses, geänderte Fassung vom 10. Juli 2012

Sauter, Robert; Kinderschutz – Zeit zum Nachdenken; ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt Nr. 5/2009; München 2009

Heilmann, Stefan; Wann muss das Jugendamt eingreifen? Eine Behörde zwischen Elternrecht und Kindeswohl; ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt Nr. 1/2002; München 2002

Weitere empfohlene Veröffentlichungen

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (Hrsg.) : Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – Erkennen und Handeln. Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte; München 2012