Checkliste zur qualifizierten Beurteilung des Gefährdungs­potenzials von Sekten und Psychogruppen

Woran kann ich unseriöse Angebote auf dem Psychomarkt erkennen?

Kreuzen Sie zutreffende Aussagen an!

Versprechungen

<> Man verspricht mir Liebe und Verständnis, Reichtum, Glück, Erfolg, Gesundheit und Heilung, spirituelle Erfahrungen oder Erleuchtung, Errettung oder Erlösung, wenn ich mich der Gruppe anschließe oder bestimmte Kurse der Gruppe besuche.

<> Ich kann ein völlig neuer, besserer Mensch werden. Ich kann mit Hilfe der Gruppe alle meine Probleme und möglicherweise die der ganzen Welt lösen. Mein Leben wird sich vollständig ändern.

<> Man sagt mir, dass ich genau diese Gruppe brauche, um all die Dinge, die ich erreichen möchte, zu schaffen.

<> Die Gruppe bietet einfache Erklärungen für alle wichtigen Lebensbereiche und Probleme.

<> Obwohl ich das Gefühl habe, dass von der Gruppe eine unerklärliche Anziehungskraft ausgeht, bin ich mir sicher, dass ich alles selbst entscheiden kann.

Gruppenstruktur

 <> Die Mitglieder/Mitarbeiter der Gruppe oder des Anbieters sind ausgesprochen nett zu mir, sie gehen auf mich ein, wie ich es mir schon immer von anderen Menschen gewünscht habe. Mindestens ein Mitglied der Gruppe ist immer in meiner Nähe.

<> Die Mitglieder der Gruppe halten stark zusammen und heben sich möglicherweise durch eine besondere Sprache, besondere Begriffe, die nur innerhalb der Gruppe so verwendet werden von anderen ab. Vielleicht erhalten die Mitglieder auch einen neuen Namen.

<> Die Gruppe fühlt sich als Elite, als Vorreiter einer neuen Epoche. Nur Gruppenmitglieder werden einer nahenden Bedrohung entkommen.

<> Kinder und Jugendliche haben in der Ideologie der Gruppe eine besondere Funktion.

<> Die Gruppeninteressen kommen vor den Interessen des Einzelnen. Ich muss viele Aufgaben für die Gruppe übernehmen, Kurse besuchen, Mitglieder werben, Bücher verkaufen usw. Private soziale Absicherung ist nicht wichtig.

<> Wenn der Gruppenführer es mir befiehlt, darf ich auch gesetzwidrige Taten begehen. Indem ich das mache zeige ich meine besondere Loyalität bzw. meine Glaubensstärke.

Methoden

<> Nur diese Gruppe bzw. dieser Anbieter hat angeblich die richtigen Methoden, mit denen ich weiterkomme. Sie sind rational oder mit herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden nicht erklärbar.

<> Was innerhalb der Gruppe eigentlich passiert, kann man nicht erklären, sondern muss man selbst erleben. Deshalb soll ich am besten gleich mitkommen und mir ein eigenes Urteil bilden.

<> Auf dem Weg zur Erlösung oder der Beseitigung meiner Probleme werden mir sonderbare Dinge abverlangt. Geheimnisvolle religiöse oder psychologische Übungen werden benutzt, um besondere Bewusstseinszustände zu erreichen (Ekstase, Ergriffensein, Aufhebung des Selbstgefühls, ausgefallene spirituelle Erlebnisse).

<> Ich soll mein Leben so umstellen, dass ich möglichst viel Zeit in der Gruppe verbringe. Kontakte zu möglichen Kritikern, auch zu Familienangehörigen oder früheren Freunden soll ich abbrechen, sie stören mich auf meinem Weg.

<> Es gibt Regeln oder Rituale für Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Beziehungen und Sexualität oder sogar für die gesamte Tagesgestaltung.

<> In Einzelgesprächen und bei Gruppenveranstaltungen merke ich, dass alle Gruppenmitglieder identische Ansichten über sämtliche Aspekte des Lebens haben. Da sogar der Wortlaut der Aussagen übereinstimmt, habe ich manchmal den Verdacht, es findet eine Art Indoktrination statt.

Zentrale Führungspersönlichkeit

<> In der Gruppe gibt es eine Führungspersönlichkeit, die durch besondere Erfahrungen, Eingebung, Erleuchtung oder geheimnisvolle Kräfte besonderes Wissen und Macht über die Welt und den Menschen hat. Aufgrund ihres besonderen Status sind Zweifel, Kritik oder ein Hinterfragen nicht gestattet.

Umgang mit Kritik

<> Wenn jemand sich negativ über die Gruppe äußert, werden dessen Argumente als Zeichen der Unwissenheit oder als feindliche Absicht interpretiert. An der Gruppierung gibt es nichts zu kritisieren.

<> Stellt sich der Erfolg nicht wie versprochen ein, liegt es an mir. Ich habe nicht alle Regeln befolgt, habe vielleicht gezweifelt oder mich zu wenig bemüht.

<> Wenn ich mich von der Gruppe lösen will, werde ich massiv unter Druck gesetzt oder auf subtile andere Art überzeugt, dass ich bleiben muss.

 

Haben Sie eine oder mehrere Aussagen angekreuzt ?

<> Ja

<> Nein

Bei Ja:
Bei der betreffenden Gruppe oder dem Anbieter ist Vorsicht geboten.
Erkundigen Sie sich bei Fachleuten über die Gruppe.

Bei Nein:
Die Gruppe, mit der Sie es zu tun haben, scheint unbedenklich zu sein. Sollten Sie weitere Fragen haben, erkundigen Sie sich bei Fachleuten.

   


 

Sekte, Psychogruppe oder Seelenfänger?
Erläuterungen zur Checkliste 

Versprechungen

Versprechungen

Die sogenannte Sekte oder Psychogruppe verspricht, die Welt bzw. den Einzelnen erlösen zu können bzw. zu verändern oder einfach auf den richtigen Weg zu bringen. Mit diesen Versprechungen gewinnt sie neue Mitglieder und hält die bisherigen bei der Stange.
Die Werbetaktik reicht vom liebevollen Umwerben ("Love-Bombing") über engagierte Überzeugungsarbeit für großartige Weltverbesserungs- oder Rettungspläne bis hin zu einschüchternden Warnungen vor irdischen oder kosmischen Katastrophen oder ewiger Verdammnis. Versprochen werden Rundumlösungen im Sinne eines rettenden Rezepts. Es wird die Lösung für alle Fragen und persönlichen Probleme angeboten.
Es geht darum, ein unglaubliches Ziel zu erreichen oder ein schreckliches Menschheitsdrama zu überleben. Dem Einzelnen wird versprochen, dass er als Mitglied dieser Sekte den Weltuntergang heil überstehen werde. Es werden Sehnsüchte angesprochen und andererseits Ängste mobilisiert, auf die dann mit passenden Versprechungen reagiert wird. Idealistisch klingende, utopische und wunderartige Lösungen werden aufgezeigt. Die religiöse Gemeinschaft behauptet, dass sie als einzige die totale Errettung bzw. Erlösung für eine absehbare Zukunft noch in diesem Leben oder nach dem Tod bieten kann.

Mein Leben wird sich vollständig ändern

Die Gemeinschaft verspricht, dass mit ihrer Hilfe jeder ein anderer Mensch werden kann. Die Gruppe scheint etwas anzubieten, was sonst noch nirgends zu finden war.
Ob es sich um eine Religionsgemeinschaft oder eine ideologisch engagierte Organisation oder einen Anbieter esoterischer, therapeutischer oder persönlichkeitsverbessernder Trainings handelt, man verspricht jeweils das Erreichen unglaublich hoher Ziele. Dies kann sein die Erlösung oder Errettung der Welt, die Schaffung einer humanen Gesellschaft, der Sieg über Elend, Unterdrückung, Krankheit und Verzweiflung, der Sieg über das Böse oder den angeblichen Hauptfeind, oder es geht ganz irdisch um den traumhaften persönlichen, beruflichen und geschäftlichen Erfolg.
Als Voraussetzung dafür, dass sich das Leben des Mitglieds wie versprochen grundsätzlich neu gestaltet, wird allerdings eine totale Umkehr oder Bekehrung (Konversion) gefordert. Die von der Sekte vorgeschriebene neue Lebensweise ist angeblich für die Erfüllung ihrer großartigen Versprechungen unverzichtbar. Um den entscheidenden "Durchbruch" zur "eigentlichen" Persönlichkeit zu erreichen, müssen durch wesentliche Verhaltens- und Einstellungsänderungen angebliche Blockaden im Gehirn oder gegenüber den anderen Menschen oder gar im Zusammenhang mit einem "transpersonalen" geistigen Universum beseitigt werden.
Die Angehörigen, Freunde und andere Außenstehende sind häufig besonders von der veränderten Persönlichkeit des Neu-Mitglieds überrascht und darüber, dass es sich für ein solches, (scheinbar) völlig anderes, neues Leben entschieden hat oder plötzlich nach "revolutionären" Lebensprinzipien leben will, die es in einem Seminar oder Training kennen gelernt hat.
Das Versprechen der Gruppierung, dass sich das Leben des Neulings und seine Persönlichkeit in einem umfassenden Sinn zum Positiven hin verändern soll, wird von dem gemeinsamen Glauben daran in der Gemeinschaft getragen. Die Anhänger lassen sich von der Euphorie der anderen Mitglieder anstecken. Außenstehenden stellt sich dieses von Hoffnung getragene neue Leben als "euphorische Phase" dar. In dieser begeisterten Stimmung will das neue Mitglied nicht über seine Perspektiven reden und sich schon gar nicht den kritischen Fragen von Außenstehenden stellen.
Das Engagement für die Gemeinschaft fordert den Neuling als ganzen Menschen. Er will sich im Sinne der Gemeinschaft ändern bzw. weiter entwickeln und damit seinem Leben vermeintlich einen wirklichen Sinn geben, glücklicher und heil werden, eine höhere Moral als die "Durchschnittsmenschen" erreichen oder auch Teil haben an der endgültigen gesellschaftlichen oder gar kosmischen, universalen und endzeitlichen (Er-)Lösung.

Genau diese Gruppe!

Die Gemeinschaft wirbt damit, dass ausschließlich sie für die Erfüllung der Wünsche der Geworbenen garantieren kann. Nur durch sie könne ein Suchender ein erfolgreicher Mensch werden oder das erstrebte Heil erlangen. Kein anderer Anbieter sei dazu wirklich in der Lage. Als äußeres Zeichen einer Gemeinschaft, die ihre Mitglieder angeblich glücklich macht oder erlösen kann, fällt Außenstehenden das demonstrative Strahlen in den Augen der Mitglieder und ihr gewinnendes Lächeln allen Menschen gegenüber auf. Der in der Gemeinschaft gepflegte, betont freundschaftliche und liebevolle Umgang wird als klarer Beweis dafür gesehen, dass hier so etwas wie die "rettende" oder "wahre Familie" gefunden werden könne. Gerade wer in einer persönlichen Krise steckt, wird anfällig sein für die angebotene, intensive zwischenmenschliche Wärme.
Entsprechend kann sich der, der sich in der Gruppe "fallen läßt", leicht davon überzeugen, dass er die Gemeinschaft braucht. Vielleicht findet er es sogar in Ordnung, dass die Gemeinschaft die Gelegenheit nützt und behauptet, dass das erlebte (Gemeinschafts-)Gefühl nur in dieser Gruppe zu erlangen sei, dass gerade der Angesprochene diese Gruppe für die zu lösenden Probleme brauche und dass in der "normalen, kalten, kranken, unfähigen oder ungläubigen" Gesellschaft oder bei anderen Gemeinschaften nur Falsches und Verderben zu finden ist. Der "Beweis" dafür, dass er gerade diese Gemeinschaft brauche, wird ihm anhand angeblich unwiderleglicher Wahrheiten, anhand von Offenbarungen ihrer Führerpersönlichkeit oder ihren "wissenschaftlichen" Erfolgen aufgezeigt, die gerade auf ihn besonders zuträfen.
Auch erste – vielleicht nur zufällige oder eingebildete - spirituelle Erlebnisse, gesundheitliche Besserungen, geistige Erkenntnisse oder spontane Harmonie- beziehungsweise "Befreitheits"-Gefühle werden als Beweis gedeutet für die Erklärung der Gemeinschaft, dass gerade diese Gemeinschaft den Schlüssel für das ersehnte Weiterkommen besitze.

Einfache Erklärungen

Die meisten konfliktträchtigen Gruppierungen und Organisationen nutzen die persönliche Suche vieler Menschen nach Orientierung und Werten in einer Gesellschaft, die immer komplizierter, undurchschaubarer und schnelllebiger wird. Die weitere gesellschaftliche Entwicklung und damit verbunden auch die persönliche Zukunft sind für Einige undurchschaubar und damit nicht mehr planbar und deshalb vielleicht sogar beängstigend geworden. Auf wesentliche persönliche Fragen - auch zum Sinn und Zweck des Lebens und der Menschheitsgeschichte - suchen viele Menschen vergeblich nach zufriedenstellenden Antworten. Die von traditionellen Religionen, der Wissenschaft oder anderen so genannten Autoritäten gegebenen Antworten wirken für sie zu widersprüchlich, kompliziert und unbefriedigend oder gar unmenschlich. Dagegen üben einfache Erklärungen, die eine sehr eindeutige Trennung zwischen Richtig und Falsch oder Gut und Böse zu Grunde legen und komplizierte Zusammenhänge negieren, eine große Anziehungskraft aus. Menschen, die mit der Komplexität, Widersprüchlichkeit und Vielzahl der gängigen Erklärungen zu den elementaren menschlichen Fragen nicht klarkommen, nehmen gerne solche Angebote an. Problematische Gruppen und Anbieter wissen um diesen weit verbreiteten Orientierungsbedarf und stimmen ihr Angebot gezielt darauf ab: Es werden einfache, leicht nachvollziehbare Erklärungen gegeben und Wege beschrieben, wie man genau das, was man möchte, angeblich auf ganz sichere Weise erreichen kann.

Unerklärliche Anziehungskraft

Oft ist bereits der erste Kontakt zur Gruppierung ein besonders eindrucksvolles Erlebnis, da man mehr als in üblichen sozialen Situationen persönliches Interesse für die eigene Person, die persönlichen Gefühle und Erfahrungen erleben kann. Schon allein durch die Versprechungen der Anwerber, dass man durch die Gruppe, ihre Lehre und ihre Methoden ungeahnte und erstrebenswerte persönliche und gesellschaftliche Ziele erreichen kann, geht von der Gruppierung eine besondere Anziehungskraft aus. Verstärkt wird diese oftmals durch geheimnisvolle Aussagen über außergewöhnliche Erfahrungen, die man nur in dieser Gruppe machen kann und welche auch nicht rational oder wissenschaftlich erklärbar sind. Viele konfliktträchtige Gruppierungen sprechen damit das natürliche Neugierverhalten der meisten Menschen an.
Begibt sich eine interessierte Person zum ersten Mal zu einer Veranstaltung der Gruppe, wird dort alles versucht werden, diese für eine Mitgliedschaft zu gewinnen. In vielen Gruppierungen gibt es aus diesem Grund ganz bestimmte Regeln, wie mit "Neuen" umgegangen werden muss, um sie an die Gruppe zu binden. Oft finden ganz bestimmte Veranstaltungen nur für Interessierte statt. Häufig tritt dabei die Führungspersönlichkeit oder ein Führungsmitglied der Gruppe auf, die eine besondere Ausstrahlung hat und die Überzeugung vermittelt, über geheimnisvolles Wissen zu verfügen, erleuchtet oder auserwählt zu sein. Kritische Gedanken bezüglich der Gruppe, ihrer Ideologie oder gar gegenüber ihrer Führungspersönlichkeit existieren nicht. Diese Harmonie innerhalb der Gruppe trägt ebenfalls zur Anziehungskraft der Gruppe bei.
Sehr anziehend wirken auf viele Interessierte auch die außergewöhnlichen Methoden und Erlebnisse, die man oft schon beim ersten Besuch einer Gruppenveranstaltung entweder selbst oder stellvertretend durch Gruppenmitglieder erleben kann. Bei manchen Gruppen werden "Heilungen" vorgeführt, in anderen dominieren Berichte über ungeahnte Fähigkeiten, über die die Führungspersönlichkeit verfügt. In einigen Gruppen werden ungewöhnliche Meditationen, exstatische Gruppenerlebnisse oder ähnliches geboten.
Zur Anziehungskraft der Gruppe trägt in vielen Fällen auch das Elitebewusstsein der Gruppe bei, wird doch bei Mitgliedschaft und entsprechender Bewährung in Aussicht gestellt, etwas Besonderes zu sein, die Welt retten zu können oder über besonders Wissen zu verfügen. Nur allzu gerne glauben viele Menschen an solche Versprechen, die das eigene Selbstbewusstsein enorm steigern und die in der üblichen Erfahrungswelt nicht gemacht werden können.

Gruppenstruktur

Sind ausgesprochen nett zu mir

Wer fühlt sich nicht wohl dabei, wenn andere Menschen besonders freundlich sind, sich sehr für die eigene Person interessieren, Komplimente machen, Mitgefühl zeigen und ihre Unterstützung und Hilfe in allen Lebensbereichen versichern. Wenn diese Menschen sich dann auch noch wirklich viel Zeit für einen nehmen und praktisch ständig in der Nähe sind, ist das eine Erfahrung, nach der sich viele Menschen sehnen.
Es ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen, von anderen anerkannt, wertgeschätzt, gebraucht und geliebt zu werden. Gerade in schwierigen Lebenssituationen und Krisen, bei Verunsicherungen im Berufsleben, familiären Schwierigkeiten, bei einschneidenden Veränderungen wie Trennung, Scheidung oder Tod eines nahen Angehörigen ist man verständlicherweise sehr angetan, wenn Mitmenschen auf ganz persönliche Bedürfnisse eingehen und großes Interesse an der eigenen Person zeigen.
Leider machen sich verschiedenste Gruppen dieses Bedürfnis nach Verständnis und Nähe zu Nutze, wenn sie neue Mitglieder oder Anhänger werben. Auch wenn es zunächst nach ehrlichem Interesse aussieht steht hinter diesem Verhalten meist ein Ziel: ein neues Mitglied für die Gruppe zu gewinnen!
Der erste Kontakt wird manchmal eher zufällig hergestellt, indem man von Fremden auf der Straße oder bei Veranstaltungen angesprochen wird. Besonders erfolgreich ist aber auch das Ansprechen durch Personen aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis, da hier bereits ein Vertrauensvorschuss gegenüber dem Werbenden vorhanden ist.
Die Gruppenmitglieder werden darin geschult, genau auf diese ansprechende Weise mit potentiellen Interessenten umzugehen, weil klar ist, dass man neue Anhänger nur gewinnen kann, wenn man etwas bietet, was die Betreffenden fasziniert. Das hat oft wenig mit wirklichem Interesse an der Person zu tun. Nicht selten werden gezielt gegengeschlechtliche Werber eingesetzt, um vermutete Beziehungswünsche bzw. Partnersuche als emotionalen Zugang zu nutzen. Bis die wirklichen Motive der Gruppe deutlich werden, sind die „Neuen" jedoch oft schon so in die Gruppenstruktur verwoben, dass sie mehr Energie zum Ausstieg benötigen als in der Anfangsphase.
Die (anfängliche) ständige Begleitung durch mindestens ein Gruppenmitglied verfolgt ein weiteres, ganz bestimmtes Ziel: Interessenten sollen nicht die Möglichkeit erhalten, sich kritisch mit anderen (neuen) Anhängern auseinander zu setzen oder mit Personen zu sprechen, die der Gruppierung skeptisch gegenüberstehen. Andere Meinungen sind in konfliktträchtigen Gruppierungen grundsätzlich nicht erwünscht und stellen vor allem in der Anwerbungsphase ein Risiko für den Anwerberfolg dar. Angeworbene sollen erst gar nicht auf die Idee kommen, dass eine gezielte Strategie hinter dem überaus wohlwollenden und freundschaftlichen Verhalten stecken könnte.

Der Gruppenzusammenhalt ist besonders stark

Ein besonderer Reiz von Gruppen besteht für viele Menschen im engen Kontakt der Mitglieder untereinander. Sie vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit für den Einzelnen. (Noch) Außenstehenden soll der Eindruck vermittelt werden, dass es innerhalb der Gruppe die perfekte Harmonie gibt, nach der sich wohl so mancher sehnt. Die Gruppe hält zusammen wie „Pech und Schwefel". Dieser enge Gruppenzusammenhalt wird durch die besondere Ideologie der Gruppe, durch spezielle, oft sehr rigide Regeln innerhalb der Gruppe und durch die Distanz zur Außenwelt erreicht. Die in den Gruppen oftmals vermittelte Ideologie des nahen Endes oder einer sonstigen Bedrohung der weltlichen Existenz erzeugt Angst, aber die Gruppe bietet angeblich Wege, um dieser Bedrohung zu entkommen. Somit wird ebenfalls eine engere Bindung an die Gruppe erreicht, da man ja ohne die Gruppe verloren ist.
Zunehmend enge Beziehungen innerhalb der Gruppe führen gleichzeitig zu einer ausgeprägten Abhängigkeit von der Gruppe. Dagegen wird der Kontakt zu anderen Menschen, die nicht Mitglied der Gruppe sind meist bewusst deutlich reduziert oder gar ganz abgebrochen, vor allem, wenn kritische Äußerungen zu befürchten sind.
Innerhalb einiger Gruppierungen werden gezielt Wohngemeinschaften gebildet, um möglichst nur noch mit Mitgliedern der Gruppe zusammen zu sein. Wird auch noch die berufliche Tätigkeit zu Gunsten der Gruppe aufgegeben, verbringt man seine Zeit rund um die Uhr nur noch mit Gruppenangehörigen. Denkanstöße von Außen kommen auf diese Weise nicht mehr an die Einzelnen heran.
Durch das enge Zusammenleben sind aber auch die gegenseitigen Kontrollmöglichkeiten besonders hoch. Kleinste Regelverstöße können von den anderen Gruppenmitgliedern bemerkt und sanktioniert werden. Manche Gemeinschaften nutzen dies im Sinne eines ausgeklügelten Spitzel- und Führungssystems.

Besondere Sprache

Innerhalb vieler konfliktträchtiger Gruppierungen ist es üblich, neue Sprachelemente einzuführen, gänzlich neue Begriffe zu schaffen oder bestimmte Begriffe mit ungewöhnlichem Bedeutungsgehalt zu belegen.
Diese Vorgehensweise dient dazu, die Besonderheit der Gruppe herauszustellen und die Abgrenzung gegenüber Nicht-Mitgliedern besonders zu unterstreichen. Auf diese Weise wird der Gruppenzusammenhalt deutlich erhöht. Wer die Sprache beherrscht und mitreden kann, gehört dazu und nur wer dazu gehört, versteht, worüber gesprochen wird. Neben anderen Statussymbolen, die der erreichten Hierarchiestufe eines Mitglieds entsprechen, ist die Beherrschung dieser „Geheimsprache" ein eindeutiger Beleg dafür, bereits ein erfahrenes Mitglied zu sein.
Zusätzlich erschwert die besondere Sprache die Auseinandersetzung Außenstehender oder Kritiker mit der Lehre der Gruppe.
Weiterhin soll diese besondere, ungewöhnliche Sprache auch die Besonderheit und Exklusivität der Gruppe und jedes einzelnen Mitgliedes der Gruppe unterstreichen.
Die „Neudefinition" von Begriffen oder die Einführung neuer Begrifflichkeiten wird in der Regel durch die Führungsperson(en) vorgenommen. Ein eindrucksvolles Beispiel für die Neudefinition von Begriffen und Kreation neuer Begriffe stellt die Scientology-Organisation dar. Die Organisation benötigt wegen der Fülle neuer Begrifflichkeiten und neuer Definitionen sogar eigene Wörterbücher von erstaunlichem Umfang.
Andere Gruppierungen, vor allem solche mit fernöstlichem Hintergrund, geben vollwertigen Mitgliedern zur Unterstreichung ihrer neuen Identität einen neuen (geistlichen) Namen.

Die Gruppe fühlt sich als Elite

In nahezu jeder fragwürdigen weltanschaulich oder religiös orientierten Gruppierung wird den Gruppenmitgliedern vermittelt, etwas Besonderes zu sein. Die Gruppenführer stellen sich selbst und die Gruppe als eine Art Elite dar. Nur wer mitmacht wird gerettet, nur ein Bekenntnis zur Gruppe bewahrt einen vor Negativem, vor Bedeutungslosigkeit, Krankheit, Tod und dem Untergang der Welt.
Die Gruppe ist von Gott auserwählt und steht über den anderen. Nur sie verfügt über ein besonderes Wissen beziehungsweise die Wahrheit schlechthin. Nichtmitglieder oder gar Kritiker sind entweder erbarmungswürdige verblendete Dummköpfe oder von bösen Mächten besessen, die es zu bekämpfen gilt. Den Gruppenmitgliedern wird die Gewissheit vermittelt, nur sie können die Welt oder die Menschheit vor dem nahen Untergang retten oder in ein neues Zeitalter führen.
Das selbe Denkschema wird auch auf das einzelne Mitglied angewendet. Es ist nicht bloßer Zufall, der einen zur Gruppe geführt hat, sondern es ist göttliche Fügung; man wurde auserwählt. Das Gefühl, selbst etwas Besonderes zu sein, ein besserer, wissender oder auserwählter Mensch, ist schmeichelhaft. So kann auch das einzelne Mitglied an den Allmachtsphantasien seines Führers teilhaben. In der Folge treten leidvolle persönliche Schwächen in den Hintergrund und können verdrängt werden, während gleichzeitig eine Erhöhung des Selbstbewusstseins erreicht wird. Gerade für Menschen, die persönliche Schwierigkeiten haben, Verluste erleiden oder sonstige leidvolle Erfahrungen machen mussten erscheint die so erreichte Steigerung ihres Selbstwertgefühls als wichtig und erleichtert vermeintlich die Verarbeitung schwieriger Lebensphasen.

Kinder und Jugendliche

Kindern der Gruppenmitglieder kommt oftmals eine besondere Bedeutung zu.
Konfliktträchtige Gruppen sehen in ihnen die einmalige Chance, diese Kinder bereits von Anfang an oder zumindest ab Beginn der Zugehörigkeit zur Gruppe mit den Glaubensinhalten und Denk- und Funktionsschemen der Gruppe vertraut zu machen. Der im Sinne der Gruppierung „negative" Einfluss der normalen Umwelt, der sich bei erwachsenen Anhängern bereits ausgewirkt hat, kann bei Kindern vermeintlich noch vermieden werden. Bei einigen Gemeinschaften gelten Kleinkinder aufgrund ihrer Reinheit und Sündlosigkeit als besondere Hoffnungsträger.
In anderen Gruppierungen hingegen gelten bereits Neugeborene als mit einer vorbestimmten Karmaschuld belastet oder grundsätzlich als sündiger Mensch. Deshalb muss gemäß deren Ideologie die Erziehung und Bekämpfung des „Bösen" im Kind so früh wie möglich einsetzen, um das Kind rechtzeitig für die „gute Seite" gewinnen zu können, bevor die äußeren, schlechten Einflüsse zunehmend wirksam werden können.
Damit diese Vorstellung auch wirklich funktioniert, gibt es in den meisten Gruppen vom Gruppenführer erlassene, streng einzuhaltende besondere Erziehungsregeln, welche in manchen Fällen eine Gefährdung des Kindeswohls darstellen können. Welcher Art diese Regeln konkret sind, unterliegt der Besonderheit der einzelnen Gruppe. In manchen Gruppen werden bereits Kleinkinder zu stundenlangen Gebeten oder Meditationen gezwungen, in anderen Gruppen gelten auch für Kinder die strengen, oft sehr einseitigen und deshalb vor allem für die Entwicklung eines Kindes gefährlichen Ernährungsvorschriften. Besonders bedenklich ist auch die in einigen Gruppen vorherrschende Überzeugung, Krankheiten durch besondere Rituale oder Gebete heilen zu können. Da in diesen Fällen eine schulmedizinische Behandlung abgelehnt wird, werden auch erkrankte Kinder keiner ärztlichen Behandlung zugeführt, was unter Umständen lebensbedrohliche Zustände auslösen kann.
Vielen Gruppen gemeinsam ist eine Tendenz zur Isolierung der Kinder und Jugendlichen von Einflüssen von außen, da diese ja in der Regel als sehr negativ, teuflisch, bedrohlich und störend klassifiziert werden. Kontakte zu anderen Kindern sollen daher möglichst verhindert werden. Manche Gruppierungen gehen dabei sogar so weit, dass die Kinder keine öffentlichen Schulen besuchen dürfen. Rechtsstaatliches Einschreiten wird dann entweder in Kauf genommen oder von vornherein vermieden, indem die gesamte Gruppe ins Ausland abwandert oder die Kinder allein in spezielle Einrichtungen der Gruppe im Ausland geschickt werden.
Konfliktträchtige Gruppierungen wenden sich zur Mitgliederanwerbung aber auch häufig gezielt an ältere Jugendliche oder junge Erwachsene direkt. Sie nutzen dabei die alterstypische Suche nach Orientierung und neuen Werten und das in dieser Lebensphase oft ausgeprägte Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu anderen Menschen außerhalb der eigenen Familie. Junge Menschen sind aufgrund ihrer noch geringen Lebenserfahrung häufig weniger kritisch und leichter zu beeinflussen. Andrerseits profitieren konfliktträchtige Gruppierungen vom „naturgemäßen" Idealismus und Engagement junger Menschen.

Gruppeninteressen

Entgegen dem in der Anfangsphase geäußerten persönlichen Interesse zählt das Individuum als solches in einer solchen Gruppe nicht. Einzelinteressen müssen hinter dem angeblich höheren Ziel der Gruppe zurückstehen. Oft kommt es sogar so weit, dass Einzelinteressen als schädlich, böse oder der Sache abträglich definiert werden. Es verstößt gegen eine der Hauptregeln nahezu jeder konfliktträchtigen Gruppierung, sich die Ziele der Gruppe nicht zu den eigenen gemacht zu haben. Da man ja dem Ziel der Welterrettung oder ähnlich bedeutsamen Zielen dient, darf kein Opfer zu groß sein. Oft werden die Gruppenmitglieder zu unentgeltlicher Mitarbeit gedrängt.
Der Zwang ist zwar meist nicht direkt sichtbar, wird aber durch die Vorgaben der Gruppenideologie deutlich. Je mehr sich der Einzelne für die Sache der Gruppe engagiert, desto besser ist es für sein eigenes Seelenheil, desto schneller kommt er auf seinem persönlichen Weg oder bei der Rettung der Welt voran.
Die Tätigkeiten für die Gruppe oder die Sache können ganz unterschiedliche Inhalte haben. Oft beginnen sie mit einfachen Tätigkeiten in der Haushaltsführung der Gruppe, der Mithilfe beim Erstellen und Drucken von Werbematerialien oder sonstigen anfallenden Aufgaben. Zur vordringlichsten Aufgabe in einer Reihe von Gruppierungen wird schließlich die Anwerbung neuer Mitglieder. Diese Missionierung muss manchmal sogar zwingend im Ausland stattfinden. Auf diese Weise findet zwangsläufig eine völlige Ablösung von bisherigen Lebensbezügen statt, eine Fortsetzung der beruflichen Tätigkeit neben der Aufgabenerfüllung innerhalb der Gruppe wird unmöglich gemacht, was auch eine völlige wirtschaftliche Abhängigkeit des Einzelnen von der Gruppe zur Folge haben kann.
Bei manchen Gruppierungen ist es logische Konsequenz der Lehre, dass das „egoistische Ich" oder „das Ego" transzendiert und aufgelöst werden muss um die Glückseligkeit zu erlangen, und so liegt es nahe, es für die gemeinsame Sache zu opfern.
In anderen Gruppen gilt der Grundsatz: Je größer die Opfer auf Erden, umso größer wird die Belohnung im Jenseits ausfallen. Im Extremfall kann das für die Anhänger bedeuten, sein Leben für die Gruppe zu opfern.

Gesetzwidrige Taten

Da eine Anzahl konfliktträchtiger Gruppierungen für sich in Anspruch nimmt, als einzige über die Wahrheit, über göttliche Instruktionen oder ähnliches zu verfügen, sind sie in manchen Fällen nicht bereit und halten es auch nicht für notwendig, sich den rechtsstaatlichen Gesetzen eines Staates unterzuordnen. Sie fühlen sich beispielsweise ausschließlich den Gesetzen einer höheren Macht verpflichtet, die ihre Anweisungen durch den Führer der Gruppe verkündet. Die von Menschen gemachten Gesetze eines Staates zählen dann nicht.
Der Widerstand gegen staatliche Gesetze wird möglicherweise sogar zum Kampf gegen das Böse, die Ungläubigen oder gegen die Unwissenden erklärt, die der Gruppe und ihren Mitgliedern auf ihrem Weg zur Vollkommenheit oder zur Erlösung entgegenstehen. In manchen Gruppen wird so eine Art Widerstands- und Märtyrerideologie entwickelt, die den Aufstand gegen geltendes Recht als besonders erstrebenswert definiert.

Methoden

Die richtigen Methoden

Die Gruppierung beziehungsweise deren Anführer behaupten oftmals, durch göttliche Eingebung, eigene Studien oder entsprechende Selbsterfahrung die einzig richtigen Methoden zu kennen und anzuwenden, die jedem auf seinem Weg weiterhelfen werden, ihn zur Erlösung führen werden, Krankheiten heilen können oder zu besonderen Fähigkeiten verhelfen können. Oftmals wird auch behauptet, wissenschaftliche Belege für deren Wirksamkeit zu haben, was einer fundierten Überprüfung jedoch meist nicht standhält. Weitaus häufiger wird allerdings schon im Vorfeld argumentiert, dass solche Phänomene durch die herkömmliche Wissenschaft nicht erklärbar sind und auch niemals sein werden, weil sie ihren Ursprung auf einer anderen (spirituellen) Ebene haben.

Nicht erklärbar

Da die angewandten Methoden nicht erklärt werden können und sollen, kann auch deren Effektivität nicht in Frage gestellt werden. Interessenten werden meist eingeladen, sich selbst durch unmittelbare Erfahrung von deren Wirkung zu überzeugen. In vielen Fällen gehen die tatsächlich angewandten Methoden auf seit langem bekannte Erkenntnisse zurück, wie Menschen wirkungsvoll beeinflusst werden können.
Besonders häufig werden die Rahmenbedingungen des Zusammenlebens, der Treffen oder der Seminare so gestaltet, dass die Teilnehmer beziehungsweise Mitglieder sehr wenig Zeit zur körperlichen Regeneration haben. Hinzu kommen in vielen Fällen noch bestimmte Rituale oder sonstige Handlungen, die zur körperlichen Erschöpfung führen oder auf andere Art eine Schwächung der Kritikfähigkeit bedingen.
Körperliche und psychische Erschöpfungszustände in Verbindung mit starken Gruppenerlebnissen können bekanntermaßen ungewöhnliche und eigenartige körperliche Empfindungen auslösen. Häufig wird von Ohnmachtsanfällen oder sensorischen Empfindungen berichtet, wie etwa dem Sehen von Lichtpunkten oder der Wahrnehmung von hohen Tönen. Von der Gruppe werden solche Erlebnisse in ihrem Sinne gedeutet. Je nach Ideologie der Gruppierung handelt es sich dann um Beweise für eine göttliche Botschaft, für ein spirituelles Zeichen oder auch für ein erstes Anzeichen einer Heilung von körperlichen oder seelischen Leiden.

Sonderbare Dinge

Gruppenmitglieder werden zur Erweiterung ihrer Fähigkeiten, zur Vollkommenheit, zur Erlösung oder zur Beseitigung ihrer physischen oder psychischern Leiden oft mit Anforderungen oder Aufgaben konfrontiert, die sehr befremdlich wirken und in einem üblichen alltäglichen Kontext überhaupt nicht vorkommen.
Für die betreffenden Handlungen sind der Fantasie praktisch keine Grenzen gesetzt. Dadurch bestehen eine Vielzahl bekannt gewordener Praktiken. Einige Beispiele sollen verdeutlichen, welcher Art die Handlungen sein können: stundenlange Meditationen, lang dauernde Aufenthalte in abgedunkelten Räumen, Ausschalten von anderen Sinneswahrnehmungen (beispielsweise des Hörens), Befolgen unsinniger und stupider Handlungsanweisungen, ausgefallene sexuelle Praktiken, Selbstverletzungen, Verbote für die Nutzung alltäglicher Gegenstände oder besondere Ernährungsvorschriften.

Besondere Bewusstseinszustände

Sensationelle religiöse Erlebnisse oder „tiefe" Erfahrungen werden durch besondere Übungen oder Veranstaltungen erreicht oder ausgelöst.
Sowohl aus dem menschlichen Erfahrungswissen als auch aus der Psychologie im engeren Sinne sind verschiedene Techniken bekannt, die bei vielen Menschen zu einer veränderten Wahrnehmung der Umwelt, des eigenen Körpers oder der eigenen Psyche führen können.
Die Mehrzahl problematischer Gruppierungen und Anbieter setzt verschiedene Ekstase-Techniken und (Auto-)Suggestion ein. Die Teilnehmer werden dadurch in ungewöhnliche Gemüts- und Bewusstseinszustände versetzt, wobei das kritische Denkvermögen eingeschränkt oder ausgeschaltet ist. So kann es zu überraschenden Ausnahme-, Spitzen- oder Grenzerlebnissen mit religiösem, rauschartigem oder „befreiendem" Charakter kommen.
Zwei bekannte Phänomene stellen die Hypnose und die Trance dar. Das wesentlichste Element, welches diese besonderen Bewusstseinszustände bedingt, ist die Erwartung des Betreffenden, dass die erwarteten Reaktionen tatsächlich eintreffen werden. Beide Zustände werden durch Instruktion/Suggestion von außen oder durch Selbstinstruktion (Autosuggestion) herbeigeführt. Weitere Faktoren sind in jedem Fall eine Reizreduzierung sowie monotone Fremd- oder Selbstanweisungen, welche in vielen Fällen durch entsprechende musikalische Elemente verstärkt werden. Besonders leicht können solche Phänomene in Gruppen induziert werden, da hier Gruppenerwartungen als weiteres verstärkendes Element hinzu kommen.
Folgende Techniken und Methoden werden in konfliktträchtigen Gruppierungen häufig angewandt: Meditation, Fasten, Schlafentzug, schamanistische und vergleichbare Ekstase-Techniken, hypnose-ähnliche Verfahren, destabilisierende (gruppen-)therapieähnliche Trainings, Experimente mit Rauschdrogen. Die Schwächung der körperlichen (Abwehr-)Kräfte begünstigt den Effekt dieser Verfahren wesentlich.
Wie bereits erwähnt wirken Gruppenveranstaltungen besonders suggestiv. Dabei handelt es sich um (Heilungs-)Gottesdienste, Evangelisations- oder Missionsveranstaltungen oder auch um Auftritte des Meisters, Gurus, Propheten, "Messias", Psycho-Gurus oder Erfolgstrainers. Die Atmosphäre wird vom charismatischen Leiter und im Gegenzug von der sehnsüchtigen Erwartung in der Gruppe oder Großveranstaltungsmenge suggestiv aufgeheizt. Durch einpeitschende Reden und emotionalisierte Liturgieformen aufgewühlt oder im Gegenteil durch besonders meditative Atmosphäre in der Aufmerksamkeit abgesenkt, verbreitet sich in der Versammlung eine Gleichschaltung der Gedanken und Gefühle.
Sowohl Methoden und Techniken als auch die suggestive Gruppenveranstaltung rufen typische Erscheinungen bei den Anhängern hervor.
Die eher stimulierenden Verfahren bewirken Ekstase, Verzückung, Euphorie, Ergriffenheit und vielleicht auch Hysterie, Erschrecken und Panik. Zur Ruhe bringende Verfahren lösen Trance-ähnliches oder meditatives Erleben von Ganzheit, „kosmischem Bewusstsein", Selbst-Entgrenzung/Ich-Auflösung, gemeinschaftlicher Harmonie und Erlöstheit aus.
In den so herbeigeführten Gefühls- und Bewusstseinslagen kann es zu weiteren besonderen Erscheinungen kommen: Visionen, Auditionen (Stimmen hören), automatisches Schreiben, Traum- und Zeitreisen, Zungenreden, Heilungs-Erlebnisse und anderes.
Durch diese ersehnten oder erlebten Erfahrungen wird die Konversion (Bekehrung) und Faszination bei Gemeinschaftsmitgliedern wesentlich mit verursacht.
Eine Anzahl konfliktträchtiger Gruppierungen nutzt das Wissen um die Entstehung solcher „außergewöhnlichen" Wahrnehmungen und Empfindungen dazu, Anhänger und Interessierte an die Gruppe zu binden und diese Erlebnisse als Beweis für die Richtigkeit ihrer Ideologie zu benutzen. Die Gemeinschaft gibt vor, wie diese Erscheinungen auszusehen haben und schließlich auch, wie sie zu deuten sind. Je nach Gruppierung handelt es sich um Erlebnisse der Erkenntnis, der Kommunikation mit einem höheren Wesen, außerkörperliche Erfahrungen, Überwindung von körperlichem Schmerz oder Erinnerungen aus früheren Leben.
Da diese Erlebnisse nicht bei jedem Menschen in gleicher Intensität und Ausprägung auszulösen sind, wird die Verantwortung für das Zustandekommen solcher außergewöhnlichen Erfahrungen an den Einzelnen übergeben. Der Hinweis: „Wer diese spirituellen oder psychischen Erlebnisse nicht hat, ist entweder noch nicht reif genug, hat noch nicht genügend an sich gearbeitet, ist noch zu sehr von schlechten Einflüssen umgeben oder glaubt nicht stark genug!" führt in der Regel zu einer verstärkten Erwartungshaltung, die das Auftreten derartiger Empfindungen und Erlebnisse unterstützt oder zur entsprechenden Simulation, damit man weiterhin Unterstützung von der Gruppe erfährt.

Möglichst viel Zeit in der Gruppe

Von vielen Gruppen wird eine vollständige Hinwendung zur Gruppe verlangt. Begründet wird dies oft damit, dass nur dann eine Heilung, Erlösung oder die Erreichung persönlicher Ziele erreicht werden kann, wenn eine Abgrenzung von schädlichen Einflüssen, die angeblich immer außerhalb der Gruppe liegen, erfolgt. In manchen Fällen wird Gruppenmitgliedern sogar nahegelegt, ihre berufliche Tätigkeit aufzugeben und sich stattdessen ganz den Aufgaben jeglicher Art innerhalb der Gruppe oder missionarischen Aufgaben zu widmen. Weil der persönliche Erfolg oder die persönliche Erlösung oder Heilung nach Aussagen der Gruppe unter anderem vom Ausmaß des Engagements des Einzelnen abhängen, ergibt sich meist der Zwang zur Umstellung des bisherigen Lebens. Wird eine eigenständige berufliche Tätigkeit zu Gunsten der Gruppierung ganz aufgegeben, begibt sich der Einzelne zusätzlich in eine wirtschaftliche Abhängigkeit, die ihn langfristig an die Gruppe bindet und einen Ausstieg noch schwieriger macht.
Die Anforderungen an den Einzelnen sind in den meisten konfliktträchtigen Gruppierungen sehr hoch und die Erwartungen werden zunehmend höher. Letztendlich können die Gruppenmitglieder die an sie heran getragenen Anforderungen nicht erfüllen. Die Gruppenführer lassen für dieses Versagen meist nur eine Erklärung zu: Der Betreffende glaubt nicht ernsthaft genug oder er arbeitet nicht hart genug. Auf diese Art werden massive Schuld- und Versagensgefühle auslöst. Die entstehende Verunsicherung bindet aber in den meisten Fällen noch mehr an die Gruppe, weil die Gruppe beziehungsweise deren Führer ja die Einzigen sind, die von diesem unangenehmen Zustand befreien können.

Kontaktabbruch zu möglichen Kritikern

Eine konfliktträchtige Gruppierung zieht in der Regel sehr deutliche Grenzen zwischen sich und der Außenwelt. Nur sie verfügt exklusiv über die „Wahrheit", den richtigen Weg. Nur sie hat die richtigen Methoden. Innerhalb der Gruppe herrscht ein Elitedenken vor, nur sie werden gerettet werden oder können die Welt retten.
Dieser absolute Wahrheitsanspruch führt automatisch zu der Überzeugung, dass alle anderen nicht über die „Wahrheit" verfügen. Sämtliche kritische Äußerungen gegenüber der Gruppe können folglich nicht richtig sein und werden als Beweis für die Unwissenheit oder sogar Bösartigkeit der Betreffenden gedeutet.
Um den Einfluss kritischer Außenstehender auf die Gruppenmitglieder möglichst gering zu halten wird oft ein Kontaktabbruch verlangt. Familie und Freundeskreis sollen möglichst keine Beeinflussungsmöglichkeiten mehr haben, weil sie den Einzelnen nur auf seinem Weg zur Erleuchtung oder bei der Rettung der Welt behindern.
Das Ziel dieser Maßnahme ist offensichtlich. Je weniger kritische Äußerungen an das einzelne Gruppenmitglied herangetragen werden, je weniger Möglichkeiten dieser zum Informationsaustausch mit anderen Menschen hat, desto mehr wird er sich an der Gruppe orientieren.
Nach Abbruch aller Kontakte zu anderen Menschen wird eine Lösung von der Gruppe zusätzlich erschwert, da keine Unterstützungsmöglichkeiten mehr gesehen werden, die notwendig sind um einen so schwierigen Schritt bewältigen zu können.

Regeln oder Rituale

In der Gemeinschaft gelten besondere Regeln, die unterschwellig oder offensichtlich wirksam sind und streng eingehalten werden. Es sind z.B. Speisenverbote oder gar eine sehr einseitige Ernährung vorgeschrieben. Es wird nicht gerne gesehen, wenn man wegen einer Krankheit zu einen normalen Arzt geht, da die Gemeinschaft selbst Therapeuten hat oder der Glaube die Heilung bewirken soll. Leitungspersonen kontrollieren lebenswichtige Entscheidungen im Sinne der Lehre oder bestimmen sogar die Partner füreinander. Die Kindererziehung muss strengen Regeln folgen oder wird von anderen Mitgliedern übernommen. Selbst intime Dinge, wie die Sexualität, sind reglementiert. Sie gelten als besonders sündhaft bzw. im Gegenteil als vorrangig „zu Befreiendes", öffentlich zu machendes menschliches Verhalten. Es gilt die typische Regel, möglichst wenig Kontakt nach außen zu haben. Man soll ausschließlich in der Gemeinschaft und für sie da sein. Der Lebensalltag aller ist verbindlich organisiert und erinnert an das Leben in einem strengen Orden oder einer militärischen Ausbildungsstätte.
Auffällig ist, dass die Regeln nicht wirklich begründet werden. Dafür werden sie aber um so stärker durch besondere rituelle Zeremonien, symbolische Handlungen und andere religiöse oder quasi-religiöse Gebräuche untermauert. So wird ihre Bedeutung besonders hervorgehoben. Es gibt ein besonderes Aufnahmeritual (Taufzeremonie, Initiation u.ä.), Reinigungsriten (Exorzismus, Sühne- und Bußübungen, Waschungen u.ä.), Zeremonien zur Betonung eines sakralen Hintergrundes, zentraler Lehrinhalte und Regeln (z.B. Einmaligkeit einer besonderen Offenbarung und Verkündung entsprechender Gebote und Verbote), Feiern zur Verehrung von Gottheiten, des Führers oder einer allumfassenden Idee usw..
Es wird geglaubt, dass von Ritualen und Zeremonien eine wundertätige oder magische Kraft ausgeht.

Indoktrination

In der Organisation oder Gruppierung werden alle möglichen Formen der Propaganda und psychischen Beeinflussung genutzt, um das Denken und Handeln von Personen im Sinne einer bestimmten Ideologie oder Doktrin zu steuern. Zur Durchsetzung der Ideologie oder Glaubenslehre wird die individuelle Freiheit, insbesondere die freie Meinungsbildung systematisch ausgeschaltet. Es wird versucht, eine mehr oder weniger totalitäre Weltanschauung einzupflanzen. Es scheint eine organisierte Strategie zu geben, mit psychotechnischen Methoden die „Löschung" der bisherigen Gesinnung bei den Anhängern zu erreichen. Die Methoden werden gleichzeitig dazu eingesetzt, eine Verinnerlichung der neuen Ideologie und persönlichen Haltung durchzusetzen.
Als Methoden der Indoktrination sind erkennbar:

  • Isolierung und Verhinderung selbständiger Beziehungsaufnahmen oder Gruppenaktivitäten;
  • Verteufelung bisheriger Überzeugungen und Hoffnungen, die für die bisherige ethische Grundhaltung maßgeblich waren;
  • gezielt eingesetzte gruppendynamische Prozesse wie: Gelenkte Gruppendiskussion, Aufforderung zu Selbstbekenntnissen, einseitige Kritik und Selbstkritik, Belohnung und Bestrafung, Mobilisierung von Angst- und Schuldgefühlen;
  • systematische Destabilisierung der psychischen Kräfte durch körperliche Beeinträchtigungen (Fasten/Hungern, Schlafentzug, Zermürbung/Stress durch ununterbrochene Anspannung beispielsweise durch Dauerdiskussion oder Hinhalten in Ungewissheit, im Extremfall (subtile) Foltermethoden);
  • Anwendung von Lerntechniken und Trainingsmethoden, die an „Programmierung" und Dressur erinnern;
  • Stimulierung und Aufforderung zu euphorischer Annahme und Idealisierung der neuen Bewusstseinsinhalte und religiösen oder ideologischen Ziele;
  • besondere Belohnung eifriger Bemühungen im Sinne der indoktrinierten Vorgaben.

Führungspersönlichkeit

Die Gruppe wird von einem selbsternannten Führer, Guru, Meister, Medium oder Therapeuten geleitet, der übermenschliche Fähigkeiten zu haben scheint und von dem alles - zumindest in der Gruppe – abhängt. Vielleicht versteht sich die Führungspersönlichkeit sogar als der „Messias" oder als „Gott".
Die Gruppierung wird von einer charismatischen Persönlichkeit geführt oder der Führer bzw. das Führungsgremium besitzt eher wenig Charisma und wirkt daher – vielleicht mit dem Mantel des Geheimnisvollen versehen - im Hintergrund. In anderen Fällen, in denen der Gründer der Gemeinschaft bereits verstorben ist, wird er, seine Lehre und seine Organisation oder "Kirche" idealisiert, glorifiziert und entsprechend verehrt.
Neben seinem Charisma besitzt der Gründer bzw. Leiter als wichtigste Funktion die unumstrittene Autorität. Begründet ist seine Autorität durch seine besondere Erwählung oder Befähigung.
Als heiliger Meister, Endzeitprophet und medial befähigter Visionär stützt der Führer/Leiter seine Autorität auf Gotteserfahrungen bzw. andere übersinnliche Erlebnisse und Kundgaben.
Oder er beruft sich als Gründer einer Therapie- oder Lebensbewältigungshilfe-„Schule" auf angeblich in der Praxis bewährte, wissenschaftliche oder besondere persönliche Erkenntnisse.
Die göttliche Autorität oder das einzigartige Wissen der Führungspersönlichkeit sind endgültig, es gibt nichts mehr zu hinterfragen, das letzte Wort ist gesprochen, es wird vielleicht sogar unbedingter Gehorsam verlangt. Selbstaufgabe und im äußersten Fall der Märtyrertod im Namen der heiligen Mission der auserwählten Führungspersönlichkeit können gefordert sein.
Die enge gefühlsmäßige Bindung der Anhänger an die Führerfigur(en) kommt vielleicht auch darin zum Ausdruck, dass sie mit Ehrentiteln wie „Baba"/Vater,"Mata(ji)"/ Mutter usw. angesprochen oder als „die wahren Eltern" bezeichnet werden. Die behauptete umfassende, selbstlose Liebe dieser Führer-/Vater-/Mutter-Persönlichkeit muss von den „wahren" Anhängern im Gegenzug durch Liebe, Wohlverhalten und Verehrung erwidert werden. Diese Führungs-Persönlichkeit ist der Kristallisationspunkt der Gemeinschaft als der „geretteten Familie", die demzufolge auch mehr oder weniger als die wahre Familie im Gegensatz zur Herkunftsfamilie angesehen wird.
Möglicherweise sind eine misslungene Ablösung vom Elternhaus oder Probleme damit, mit dem Leben allein klarzukommen ein Grund, dass sich die Anhänger so stark an die Führungspersönlichkeit klammern. Sie profitieren von der Teilhabe an den Allmachts- und Größenfantasien, die sie auf den Führer projizieren. So können Selbstwertprobleme durch Elitebewusstsein abgelöst werden. Erkauft wird dieser Vorteil allerdings durch Abhängigkeit und Unmündigkeit.

Umgang mit Kritik

An der Gruppierung gibt es nichts zu kritisieren!

Kritik ist der Hauptfeind für den Absolutheitsanspruch konfliktträchtiger Gemeinschaften. Weil die Organisation wie ein totalitäres System demonstrativ immer recht hat und auch bestimmen will, was zu geschehen hat, reagiert sie empfindlich auf jedes Relativieren und Differenzieren, auf Abwägen und Unterscheiden. Es gibt nur ein „entweder für – oder gegen" die Gruppierung, Freund oder Feind, Unterwerfung oder Ausschluss, Gut oder Böse, Heil oder Verdammnis, Richtig oder Falsch. Zwischen diesen fundamentalen Positionen muss sich das Mitglied eindeutig entscheiden.
Wer an der „Offenbarung", Wahrheit, Lehre, Methode oder dem Führungsanspruch des Leiters/der Leitung zweifelt oder Kritik übt, muss bekämpft, ausgegrenzt oder abgewertet werden. Dialog, Verständigung und Kompromisse sind mit Kritikern bzw. anders Denkenden nicht möglich. Unnachgiebige Kritiker sind Feinde, Verschwörer, Verräter, Sündenböcke usw.
Externe Kritiker gelten als Instrumente der bösen Welt oder feindlichen Macht. Diese wollen nur die Rettung verhindern. Sie sind unerleuchtet, unwissend und dem alten System verfallen.
Die möglicherweise kritisch eingestellte Familie des einzelnen Mitglieds verkörpert gleichermaßen diese Einstellungen und muss beeinflusst und überzeugt werden; falls dies nicht gelingt, wird Kontaktabbruch bzw. –verbot durchgesetzt, da solche Angehörige oder alte Freunde angeblich nur hinderlich für die (spirituelle) Entwicklung, die Befreiung vom alten Leben, die Errettung oder den Erfolg bei den Anhängern sind.
Kritische Fachleute müssen zum Feind erklärt, verteufelt oder in gerichtlichen Verfahren angegangen werden. Für die Gemeinschaft oder ihre Führung nachteilige Gerichtsentscheidungen müssen angefochten, im Sinn der Organisation konträr ausgelegt oder notfalls totgeschwiegen werden. (Selbst-)Kritik gegenüber der eigenen verabsolutierten Wahrheit muss demgegenüber als Selbst-Schwächung bekämpft werden.
Auch für die Mitglieder gilt, Kritik darf nicht geübt, ja nicht einmal gedacht werden. Lehre, Organisation und Lebensweise dürfen nicht diskutiert werden. Es gibt eine Zensur. Kritisches Info-Material darf nicht gelesen werden, insbesondere nicht Stellungnahmen, Bücher oder Internetseiten von Aussteigern.
Um Kritik möglichst im Keim zu ersticken, werden Widersprüche in der Lehre, im Lebensalltag oder in der Entwicklung der Gemeinschaft ignoriert, verheimlicht, verschwiegen oder schön geredet.
Kritisches, logisches, rationales Denken hinsichtlich der Grundlagen der Gemeinschaft wird grundsätzlich abgelehnt. „Denken ist: Zum Teufel beten"; „negatives Denken" muss durch „positives Denken" (im Sinne der Gemeinschaft) gelöscht werden. Differenziertes (eigenes) Bewerten ist nicht gefragt. Es ist vorgegeben, was gut und was schlecht ist, und dabei wird nach einem klaren Schwarz-Weiß-Schema strikt unterschieden (was den Mitgliedern vermeintlich Sicherheit bietet und schwierige Entscheidungen abnimmt).
Die Organisationsstrukturen konfliktträchtiger Gruppierungen zielen auf Kritikabwehr. Die Führung der Organisation wird von niemandem kritisiert oder kontrolliert. Die Strukturen sind nicht transparent sondern funktionieren verdeckt, um nicht kritisiert werden zu können. Je nach Rang in der Gruppenhierarchie besteht ein Informationsgefälle (Neulinge und einfache Mitglieder dürfen nicht so viel wissen wie höherrangige Funktionsträger).
Durch die Umdefinierung wichtiger Begriffe wird die Politik der Organisation undurchsichtig und damit unangreifbar und unkritisierbar gemacht (z. B. steht „Ethik" bei der Scientology-Organisation für „das, was der Scientology-Organisation nützt", womit allgemein gültige ethische Werturteile durch Scientology indirekt für ungültig erklärt werden; Kritik im Sinne allgemein gültiger Moral läuft damit ins Leere).

Stellt sich der Erfolg nicht wie versprochen ein, liegt es an mir.

Die Gemeinschaft als solche macht keine Fehler! Wenn einzelne Anhänger Probleme haben, liegt es an diesen selbst. Negative Erlebnisse in der Gruppierung sind dem einzelnen Mitglied zuzuschreiben. Wenn sich die Prophezeiungen und Versprechungen des Führers oder der Organisation nicht erfüllen, liegt es nicht an diesen, sondern an denen, die sich dieser Autoritäten angeblich als nicht würdig erweisen. Damit wird Kritik wirkungsvoll ausgeschaltet. Wenn die Gemeinschaft nicht den Durchbruch bei der Umgestaltung oder Rettung der Gesellschaft oder die Bewahrung vor negativen Entwicklungen durchsetzt, liegt es am fehlenden Vertrauen bzw. Engagement der Mitglieder. Wenn die versprochene persönliche Entwicklung oder Heilung misslingt, sind Vorgaben nicht richtig befolgt worden oder der Glaube nicht stark genug gewesen. Es wird möglicherweise der Vorwurf erhoben, dass persönliche Interessen oder der eigene Wille noch zuviel Macht über den Anhänger haben oder dass das frühere falsche Bewusstsein oder bisherige Leben noch nicht ganz abgelegt ist. Ein Teufelskreis der Abhängigkeit fordert die radikale Selbst-Aufgabe („das Ego steht noch im Weg") oder der ganze Mensch muss sich hingeben (z. B. „Lebens-Übergabe" in manchen extremen christlichen „Gemeinschaften"). Gemeinschaftsfremde Ziele, bisherige Beziehungen und Autoritäten müssen aufgegeben werden, um die versprochenen bzw. gewünschten Effekte zu erreichen. Da die vorgegebenen Ziele letztlich unerreichbar sind, droht den Anhängern auf ihrem Weg durch nicht endende Kursprogramme und spirituelle Schulungen oder beim Engagement zur Missionierung oder Veränderung der Welt eine Spirale der Selbstaufopferung. Offensichtliche Widersprüche zwischen Ideologie und Realität werden systematisch ausgeblendet oder zum Scheinproblem ungläubiger oder eigensinniger, zweifelnder Mitglieder erklärt.

Wenn ich mich von der Gruppe lösen will ...

Wer nicht in die Gruppe eintreten oder diese gar verlassen will, dem werden von den anderen Mitgliedern oder Führungsleuten Ängste, Schuldgefühle, Scham und Minderwertigkeitsgefühle eingeredet oder auf andere Weise geschickt ausgelöst nach dem Motto: "Ohne uns bist du verloren, ein Nichts"; oder: "Wer seine Erlösung nicht annimmt, begeht eine große Sünde"; oder: "Der Unglaube oder Verrat wird eine furchtbare Strafe nach sich ziehen".
Es werden (Psycho-)Techniken angewandt. Mit diesen werden „unsichere" Anhänger oder Neulinge „weichgekocht". Dies geschieht z. B. durch Verhinderung des Kontakts nach außen, Diskutieren bzw. Überzeugungsarbeit bis zur Übermüdung (Schlafentzug), Anwendung von Suggestivmethoden, Trancetechniken, Meditation und anderen Übungen und Methoden zur Erzeugung „veränderter Wachbewusstseinszustände", die das selbstbestimmte Ich der Anhänger schwächen. Totale Kontrolle gilt als legitimes Mittel gegen Abweichler und zum Ausstieg Neigende. Ausstiegsverdächtige sind notfalls mit Psychoterror und Erpressung, z. B. mit Hilfe intimer Kenntnisse über das Mitglied zum Bleiben zu zwingen.
„Ehemalige" gelten als besonders gefährliche Feinde oder Verräter, da sie angeblich aus egoistischen oder anderen Gründen entgegen besseren Wissens die „heilige Sache" nun ablehnen oder gar der Sache durch Kritik aufgrund eigener Erfahrung besonderen Schaden zufügen (können). Sie müssen verdammt und öffentlich bekämpft werden. Ein Kontakt zu ihnen ist strengstens verboten.
Vor allem durch die psychische Abhängigkeit und durch die persönlichen Beziehungen in der Gruppe werden Kritik oder gar Ausstieg erschwert, wenn dadurch Kontaktabbruch und Verlust der „zweiten Familie" drohen. Auch die Aufgabe der materiellen Existenzgrundlagen zugunsten der Gemeinschaft (z. B. Vermögensübereignung, Aufgabe von Ausbildung und Beruf um für die Gemeinschaft zu arbeiten) liefert die Anhänger an die Gruppe aus.
Die ideologische und emotionale Abhängigkeit von der Gruppe ist besonders dann schwer aufzulösen, wenn die Sekte eine entlastende oder therapeutische Funktion für das Mitglied hat. Dann kann es dem Betreffenden zweitrangig erscheinen, dass seine persönliche Abhängigkeit von anderen Mitgliedern bzw. der Führungspersönlichkeit systematisch dazu genutzt wird, seine Bindung an die Gruppe zu festigen. Wer Halt sucht, will nicht „losgelassen" werden. Die vermeintliche Sicherheit muss vom Mitglied mit Loyalität erkauft werden.
Um einen Ausschluss bzw. ein Hinauswerfen zu verhindern, wird von Mitgliedern in besonders problematischen Gemeinschaften die Kontrolle der Gedanken, des Verhaltens, der Gefühle und der sozialen Kontakte geduldet. Die Abhängigkeit und die Vereinnahmung durch die Organisation wird von Indoktrinierten mit der Feststellung gutgeheißen, dass es für sie „Freiheit" nur in dieser Gemeinschaft gibt. Die Außenstehenden lügen, die Gemeinschaft und deren Führung angeblich niemals.